Praxisbeispiel · E-Auto laden

E-Auto an der Schuko-Steckdose laden: Dauer und Grenzen

Das neue E-Auto ist da, die Wallbox noch nicht. Bis der Elektriker kommt, soll die Steckdose in der Garage reichen. Wir rechnen aus, wie lange das dauert, was pro Nacht in den Akku passt und worauf Sie bei der Leitung achten müssen.

E-Auto an der Schuko-Steckdose laden: Dauer und Grenzen

Der Fall: Elektroauto mit 60 kWh nutzbarer Akkukapazität, täglich rund 40 km Pendelstrecke. Geladen wird mit dem mitgelieferten Notladekabel (ICCB) an einer Schuko-Steckdose in der Garage, eingestellt auf 10 A. Die Steckdose hängt an einem eigenen Stromkreis mit LS B16, 1,5 mm² und 20 m Leitung.

Kurze Antwort: Die Steckdose liefert 2,3 kW, im Akku kommen etwa 2,07 kW an. Von 20 auf 80 % dauert das rund 17 Stunden, eine volle Ladung von 0 auf 100 % rund 29 Stunden. In einer Nacht mit 12 Stunden kommen etwa 25 kWh in den Akku, genug für rund 155 km. Für 40 km am Tag reichen gut 3 Stunden.

Elektroauto in einer Garage mit eingestecktem Ladekabel
Abbildung 1. Über Nacht an der Steckdose kommen rund 25 kWh in den Akku, genug für den Alltag vieler Pendler. Foto: Priscilla Du Preez / Unsplash

1. Die Rechnung: Leistung, Verluste, Zeit

An einer Schuko-Steckdose mit 230 V und 10 A fließen:

P = 230 V × 10 A = 2,3 kW

Nicht alles davon erreicht den Akku. Bordlader, Kabel und Batteriemanagement verbrauchen einen Teil. Wir rechnen wie der Ladezeit-Rechner mit 90 % Wirkungsgrad; bei niedriger Ladeleistung fällt er in der Praxis eher etwas schlechter aus, weil die Bordelektronik während der langen Ladezeit wach bleibt.

Ladedauer = Energie ÷ (Leistung × Wirkungsgrad)

  • 20 → 80 %: 36 kWh ÷ (2,3 kW × 0,90) = 17,4 h
  • 10 → 90 %: 48 kWh ÷ 2,07 kW = 23,2 h
  • 0 → 100 %: 60 kWh ÷ 2,07 kW = 29,0 h

Aus dem Netz bezogen werden für 20 → 80 % rund 40 kWh, also 4 kWh mehr, als im Akku ankommen.

2. Was eine Nacht bringt

Für den Alltag ist die volle Ladung weniger wichtig als die Frage, was in der Standzeit nachgeladen wird. Wir rechnen mit 16 kWh pro 100 km ab Akku, einem Wert für einen Kompaktwagen bei gemischter Fahrt:

Standzeit Energie im Akku Reichweite
4 h 8,3 kWh 52 km
8 h 16,6 kWh 103 km
12 h 24,8 kWh 155 km
14 h (Wochenende) 29,0 kWh 181 km

Bei 40 km Arbeitsweg braucht das Auto täglich 6,4 kWh. Die sind nach 3,1 Stunden wieder drin. Für Pendler mit kurzen Strecken reicht die Steckdose deshalb rein rechnerisch oft aus. Knapp wird es im Winter, wenn Heizung und kalter Akku den Verbrauch erhöhen, und nach langen Fahrten am Wochenende.

0102030405002581012StundenkWh im Akku12 h NachtCEE 16 A 1-ph.Schuko 10 ASchuko 8 ASchuko 6 A
Abbildung 2. Nachgeladene Energie über die Standzeit bei verschiedenen Ladeströmen (90 % Wirkungsgrad).

3. 6, 8 oder 10 A? Der Vergleich

Viele Notladekabel lassen sich auf 6, 8 oder 10 A einstellen, manche Hersteller empfehlen ab Werk die niedrigere Stufe. Zum Vergleich auch eine blaue CEE-Steckdose mit 16 A und eine 11-kW-Wallbox:

Ladeart Leistung 20 → 80 % km pro Stunde
Schuko 6 A 1,38 kW 29,0 h 8 km
Schuko 8 A 1,84 kW 21,7 h 10 km
Schuko 10 A 2,30 kW 17,4 h 13 km
CEE 16 A 1-ph. 3,68 kW 10,9 h 21 km
Wallbox 11 kW 11,0 kW 3,6 h 62 km
Schuko 6 A29,0 hSchuko 8 A21,7 hSchuko 10 A17,4 hCEE 16 A 1-ph.10,9 hWallbox 11 kW3,6 h
Abbildung 3. Ladedauer 20 → 80 % für 60 kWh nach Ladeart (90 % Wirkungsgrad).

Die 11-kW-Wallbox setzt voraus, dass der Bordlader des Autos dreiphasig 11 kW kann. Ein Auto mit einphasigem Bordlader lädt auch an der Wallbox nur mit 3,7 bis 7,4 kW.

4. Die Leitung: warum 10 A und nicht 16 A

Eine Schuko-Steckdose ist für 16 A ausgelegt, aber für kurze Lasten wie Wasserkocher oder Staubsauger. Ein E-Auto zieht dagegen zehn, zwanzig Stunden am Stück den vollen Strom. Dabei erwärmen sich vor allem die Kontaktstellen: Steckdose, Stecker, Klemmen. Die Verlustleistung an einem Übergangswiderstand wächst mit dem Quadrat des Stroms. Bei angenommenen 30 mΩ an einer gealterten Kontaktstelle mit ermüdeter Feder sind es bei 10 A 3,00 W, bei 16 A schon 7,68 W, also das 2,6-Fache, und das über viele Stunden auf engem Raum.

Auch die Leitung spielt mit. Für 20 m und 10 A ergeben sich nach DIN VDE 0100-520 folgende Spannungsfälle:

Querschnitt Länge Spannungsfall Bewertung
1,5 mm² 20 m 6,0 V (2,61 %) in Ordnung
2,5 mm² 20 m 3,6 V (1,57 %) gut
1,5 mm² 35 m 10,5 V (4,57 %) über 3 %, kritisch für Dauerlast
VerteilerB16FI 30 mA1,5 mm²20 mE-Auto 2,3 kW230 VSpannungsfall 2,61 %
Abbildung 4. Garagensteckdose am eigenen Stromkreis: 10 A Dauerlast über 20 m Leitung.

Der Spannungsfall selbst ist bei 20 m unkritisch. Das Problem steckt meist woanders: in alten Steckdosen mit ermüdeten Kontaktfedern, in losen Klemmen und in Stromkreisen, an denen noch Gefriertruhe, Werkbank und Außenbeleuchtung hängen.

Weiße Mehrfachsteckdose auf einem Holzboden
Abbildung 5. Mehrfachsteckdosen und Kabeltrommeln haben beim Laden eines E-Autos nichts zu suchen. Foto: Claudio Schwarz / Unsplash

5. Prüfen lassen, bevor Sie laden

Für einen Ladepunkt, der regelmäßig genutzt wird, verlangt DIN VDE 0100-722 einen eigenen Stromkreis und einen eigenen Fehlerstromschutz. Wer dauerhaft an der Steckdose laden will, sollte eine Elektrofachkraft draufschauen lassen:

  1. Eigener Stromkreis? Keine weiteren Verbraucher an derselben Sicherung.
  2. FI-Schutzschalter vorhanden? Mindestens 30 mA, Typ nach Herstellerangabe des Ladekabels; viele ICCB haben eine eigene Gleichfehlerstrom-Erkennung.
  3. Steckdose in gutem Zustand? Keine Verfärbungen, fester Sitz des Steckers, Klemmen nachgezogen.
  4. Für Außen geeignet? In Carport oder Hof mindestens spritzwassergeschützt mit Klappdeckel.
  5. Leitungsweg bekannt? Querschnitt und Länge prüfen, Übergänge in Abzweigdosen kontrollieren.

Eine gute Alternative zur Wallbox ist eine CEE-Steckdose 16 A (blau) mit passendem mobilem Ladegerät. Sie ist für Dauerlast gebaut und verdoppelt etwa die Ladeleistung, ist aber ebenfalls ein Fall für die Elektrofachkraft. Ladeeinrichtungen sind nach NAV beim Netzbetreiber anzumelden; ab einer Leistung über 12 kVA braucht es zusätzlich seine Zustimmung.

6. Im Winter schrumpft die Reichweite pro Nacht

Die Zahlen oben gelten für mildes Wetter. Im Winter kommen zwei Effekte zusammen: Das Auto braucht für Heizung und kalten Akku mehr Energie pro Kilometer, und beim langsamen Laden geht ein größerer Anteil für Elektronik und gegebenenfalls Akkuheizung verloren. Wir rechnen beispielhaft mit 22 kWh pro 100 km und 85 % Ladewirkungsgrad:

Jahreszeit Verbrauch Wirkungsgrad Reichweite pro 12 h Ladezeit für 40 km
Sommer 16 kWh/100 km 90 % 155 km 3,1 h
Winter 22 kWh/100 km 85 % 107 km 4,5 h

Für den Pendler mit 40 km reicht die Steckdose auch im Winter. Wer aber 100 km am Tag fährt, braucht im Winter rund 22 kWh und damit über 11 Stunden Ladezeit pro Tag. Das geht nur, wenn das Auto praktisch jede freie Minute am Kabel hängt. Spätestens hier lohnt eine Wallbox oder zumindest eine CEE-Steckdose.

Ein Tipp für kalte Nächte: Vorklimatisieren am Kabel holt die Heizenergie für den Start aus der Steckdose statt aus dem Akku. Bei nur 2,3 kW Ladeleistung frisst das allerdings einen großen Teil dessen, was in der Nacht geladen wurde. Stellen Sie die Abfahrtszeit deshalb realistisch ein und heizen Sie nicht länger vor als nötig.

7. Das Typenschild am Ladekabel lesen

  • Nennstrom und Einstellstufen: z. B. 6/8/10 A. Steht der Standard auf 8 A, lädt das Auto mit 1,84 kW.
  • Netzspannung: 230 V einphasig.
  • Schutzart: IP-Angabe für Steuerbox und Stecker, wichtig im Freien.
  • Temperaturüberwachung im Stecker: Viele Kabel reduzieren den Strom, wenn der Stecker zu warm wird. Das ist ein Hinweis auf schlechte Kontakte, kein Fehler des Kabels.
  • Fehlerstromerkennung: Angabe zur DC-Fehlerstromüberwachung in der Steuerbox.

8. Warnsignale beim Laden

  • Der Stecker ist nach einer Stunde so warm, dass man ihn nicht mehr anfassen mag.
  • Die Steckdose oder das Gehäuse verfärbt sich oder riecht nach Kunststoff.
  • Das Ladekabel reduziert eigenständig den Strom oder bricht die Ladung ab.
  • Der FI oder die Sicherung löst gelegentlich aus.
  • Das Licht in der Garage flackert beim Ladestart.

In all diesen Fällen: Laden beenden und die Installation prüfen lassen.

9. Häufige Fehler

  • Verlängerungskabel und Kabeltrommel. Aufgerollte Trommeln erhitzen sich, Übergänge werden zur Schwachstelle.
  • Mehrfachsteckdose. Jede zusätzliche Steckverbindung ist ein weiterer Übergangswiderstand.
  • Am Stromkreis der Waschküche laden. Waschmaschine plus Auto übersteigt schnell 16 A.
  • Mit 10 A rechnen, aber 6 A eingestellt lassen. Dann dauert 20 → 80 % nicht 17, sondern 29 Stunden.
  • Die Verluste vergessen. Für 36 kWh im Akku zahlt man 40 kWh am Zähler.

Häufige Fragen

Wie lange dauert eine volle Ladung an der Steckdose? Bei 10 A und 60 kWh rund 29 Stunden von 0 auf 100 %, von 20 auf 80 % etwa 17 Stunden.

Wie viele Kilometer lade ich pro Stunde? Bei 10 A und 16 kWh/100 km etwa 13 km pro Stunde, bei 6 A rund 8 km.

Reicht die Steckdose für den Alltag? Für 40 km am Tag ja: Die 6,4 kWh sind nach 3,1 Stunden nachgeladen. Bei langen Strecken oder mehreren Fahrern im Haushalt wird es knapp.

Darf ich dauerhaft an der Schuko-Steckdose laden? Rechtlich gibt es kein Verbot, technisch sollte der Stromkreis die Anforderungen an einen Ladepunkt erfüllen: eigener Stromkreis, eigener FI-Schutz, einwandfreie Steckdose. Eine Wallbox oder eine CEE-Steckdose ist für Dauerbetrieb besser geeignet.

Wie viel Strom zieht eine Nachtladung aus dem Netz? Bei 10 A und 12 Stunden 27,6 kWh am Zähler. Davon kommen bei 90 % Wirkungsgrad rund 24,8 kWh im Akku an, der Rest wird zu Wärme in Bordlader und Leitungen.

Was bringt eine blaue CEE-Steckdose mit 16 A? 3,7 kW statt 2,3 kW. Die Ladung von 20 auf 80 % sinkt von 17,4 auf 10,9 Stunden.

Zusammenfassung

Punkt Ergebnis
Ladeleistung Schuko 10 A 2,3 kW, im Akku ≈ 2,07 kW
20 → 80 % (60 kWh) ≈ 17,4 h
0 → 100 % ≈ 29,0 h
12 h Standzeit ≈ 25 kWh, ≈ 155 km
Leitung 1,5 mm², 20 m Spannungsfall 2,61 %
Voraussetzung eigener Stromkreis, FI 30 mA, intakte Steckdose

Ihr Auto hat einen anderen Akku oder einen anderen Bordlader? Wählen Sie Modell und Ladeart im E-Auto-Ladezeit-Rechner, er rechnet mit derselben Formel.

Mit eigenen Werten rechnenE-Auto-Ladezeit-Rechner→

Quellen und Normen

  1. DIN VDE 0100-722 – Stromversorgung von Elektrofahrzeugen eigener Stromkreis und FI-Schutz für Ladepunkte
  2. DIN VDE 0100-520 – Kabel- und Leitungsanlagen Empfehlung zum Spannungsfall
  3. Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) § 19 Anmeldung von Ladeeinrichtungen beim Netzbetreiber
  4. ADAC – Elektroauto laden Hinweise zum gelegentlichen Laden an der Haushaltssteckdose
  5. E-Auto-Ladezeit-Rechner von SizeBench dieselbe Rechnung für Ihr Modell

Normen und Daten hinter unseren Rechnern

So ist dieser Ratgeber entstanden

Jede Zahl in diesem Ratgeber berechnet derselbe Code wie unsere Rechner, auf Grundlage der oben genannten Normen, und die Seite wird vor der Veröffentlichung getestet. Das SizeBench-Team hat recherchiert, geschrieben und geprüft; Automatisierung und KI helfen beim Formulieren, nie bei den Zahlen. Unsere Methodik →

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