Der Fall: Das Gartenhaus steht 35 m Kabelweg vom Hausanschlussraum entfernt. Darin sollen Licht, mehrere Steckdosen, ein Kühlschrank, ein Ladegerät für den Mähroboter und eine Tischkreissäge mit 3 kW und 400 V betrieben werden. Im Winter kommt ein Heizlüfter mit 2 kW dazu. Im Gartenhaus soll eine kleine Unterverteilung mit RCD und drei bis vier Stromkreisen sitzen.
Kurze Antwort: Die größte Belastung liegt bei rund 13,8 A auf einem Außenleiter. Eine Vorsicherung 3×25 A im Haus gibt Reserve und erlaubt im Gartenhaus 16-A-Kreise. Für 25 A auf 35 m wählt der Rechner 5×4 mm² (2,13 %). Rechnet man den Spannungsfall des Endstromkreises im Gartenhaus dazu, kommen mit 4 mm² 3,38 % zusammen. Mit NYY-J 5×6 mm² bleibt die Summe bei 2,67 %.
1. Erst die Lasten, dann das Kabel
Eine Zuleitung zu einer Unterverteilung wird nicht nach einem einzelnen Gerät bemessen, sondern nach dem, was gleichzeitig laufen kann. Deshalb steht am Anfang eine Lastaufstellung. Für Motoren nehmen wir einen Leistungsfaktor von 0,85 an, für Kühlschrank und Ladegerät 0,8, für Heizung und LED-Licht 1:
| Verbraucher | Leistung | Anschluss | Strom |
|---|---|---|---|
| Tischkreissäge | 3 000 W | 400 V, L1–L3 | 5,1 A je Außenleiter |
| Heizlüfter | 2 000 W | 230 V, L1 | 8,7 A |
| Beleuchtung | 200 W | 230 V, L2 | 0,9 A |
| Kühlschrank | 150 W | 230 V, L2 | 0,8 A |
| Ladegerät Mähroboter | 60 W | 230 V, L3 | 0,33 A |
Laufen alle Geräte gleichzeitig, ergibt sich je Außenleiter:
| Außenleiter | Summe |
|---|---|
| L1 | 13,8 A |
| L2 | 6,8 A |
| L3 | 5,4 A |
Die Aufteilung der 230-V-Verbraucher auf die Außenleiter legt die Unterverteilung fest. Den Heizlüfter allein auf L1 und Licht und Kühlschrank auf L2 zu legen, gleicht die Last halbwegs aus.
2. Was realistisch gleichzeitig läuft
Die Tabelle oben ist der ungünstigste Fall: Säge, Heizlüfter, Licht und Kühlschrank zugleich. Im Sommer fällt der Heizlüfter weg, dann liegt L1 nur noch bei 5,1 A. Im Winter wird selten gesägt, während der Heizlüfter läuft, aber es kommt vor. Für die Bemessung der Zuleitung zählt nicht der Durchschnitt, sondern der Strom, den die Vorsicherung im Haus dauerhaft zulassen muss. Deshalb rechnet der Rechner später mit dem Nennstrom der Vorsicherung und nicht mit der Lastsumme. Die Lastaufstellung dient dazu, diese Vorsicherung sinnvoll festzulegen und die Verbraucher gleichmäßig zu verteilen.
Wer später eine Wallbox, eine Sauna oder eine Wärmepumpe im Gartenhaus plant, rechnet diese Lasten jetzt schon ein. Eine Zuleitung im Erdreich nachträglich zu verstärken heißt: neuer Graben.
3. Die Vorsicherung im Haus
Der größte Strom liegt bei 13,8 A. Rein rechnerisch würde eine Vorsicherung mit 16 A genügen. Das wäre aber unpraktisch: Im Gartenhaus sitzen selbst B16-Automaten, und wenn vorne ebenfalls 16 A abgesichert sind, löst bei Überlast oft die falsche Sicherung aus. Dann muss man jedes Mal ins Haus.
Mit 3×25 A liegt die Vorsicherung deutlich über den 16-A-Kreisen im Gartenhaus. Bei Überlast löst so in der Regel der kleinere Automat vor Ort aus. Vollständige Selektivität bei Kurzschluss ist zwischen zwei LS-Schaltern mit kleinen Nennströmen kaum erreichbar. Wer sie möchte, nimmt im Haus eine Schmelzsicherung, etwa ein Neozed-System, oder einen selektiven Schalter. Bei Motoranlauf hilft dagegen die C-Charakteristik im Kreis der Säge: Der Anlaufstrom eines Motors beträgt ein Mehrfaches des Nennstroms.
4. Querschnitt der Zuleitung
Für 25 A je Außenleiter und 35 m prüft der Rechner Belastbarkeit und Spannungsfall:
- Belastbarkeit: 4 mm² tragen in Verlegeart B1 bei drei belasteten Adern 28 A, also mehr als 25 A.
- Spannungsfall Drehstrom: ΔU = √3 × L × I × ρ ÷ A. Mit 4 mm² ergeben sich 2,13 %, mit 6 mm² 1,42 %.
Für die Zuleitung allein reicht 4 mm². Doch die Empfehlung von 3 % gilt vom Zähler bis zum Verbraucher, nicht bis zur Unterverteilung.
5. Spannungsfall bis zur letzten Steckdose
Im Gartenhaus liegt hinter der Unterverteilung noch ein Endstromkreis. Nehmen wir einen Steckdosenkreis mit B16 und 10 m Leitung an:
| Zuleitung (35 m, 25 A) | Endstromkreis (10 m, 16 A) | Summe |
|---|---|---|
| 4 mm²: 2,13 % | 1,5 mm²: 2,09 % | 4,22 % |
| 4 mm²: 2,13 % | 2,5 mm²: 1,25 % | 3,38 % |
| 6 mm²: 1,42 % | 2,5 mm²: 1,25 % | 2,67 % |
Das ist eine vorsichtige Rechnung, weil die Zuleitung selten voll mit 25 A belastet ist, während eine Steckdose 16 A zieht. Sie zeigt aber, wo die Reserve fehlt. Mit 6 mm² in der Zuleitung und 2,5 mm² im Gartenhaus bleibt die Summe unter 3 %. Die Mehrkosten zwischen 4 und 6 mm² sind bei 35 m überschaubar, ein späterer Austausch wäre es nicht.
6. Warum Drehstrom und nicht 230 V?
Eine einphasige Zuleitung mit 25 A müsste den gesamten Strom über einen Außenleiter führen, und Hin- und Rückleiter zählen doppelt:
| Variante | Leitung | Spannungsfall 35 m, 25 A | Kreissäge 400 V |
|---|---|---|---|
| Drehstrom | 5×4 mm² | 2,13 % | möglich |
| Wechselstrom | 3×6 mm² | 2,85 % | nicht möglich |
Die einphasige Lösung braucht 6 mm² und versorgt trotzdem keine Drehstrommaschine. Fünf Adern mit kleinerem Querschnitt sind die bessere Wahl.
7. Querschnitt nach Länge
So ändert sich die Empfehlung des Rechners für 3×25 A (nur Zuleitung):
| Länge | Querschnitt | Spannungsfall |
|---|---|---|
| 20 m | 4 mm² | 1,22 % |
| 35 m | 4 mm² | 2,13 % |
| 50 m | 6 mm² | 2,03 % |
| 70 m | 6 mm² | 2,84 % |
Ab etwa 50 m lohnt es, die Absicherung zu überdenken: Braucht das Gartenhaus wirklich 25 A, oder genügen 3×16 A, wenn keine großen Verbraucher gleichzeitig laufen?
8. N und PE getrennt führen
Die Zuleitung ist fünfadrig: L1, L2, L3, N und PE. Ein kombinierter PEN-Leiter, wie ihn manche Hausanschlüsse haben, ist erst ab 10 mm² Kupfer zulässig und hat in einer Gartenhauszuleitung nichts zu suchen. Ein unterbrochener PEN würde im Fehlerfall gefährliche Spannung auf alle Metallteile bringen.
Im Gartenhaus gehört eine Haupterdungsschiene in die Unterverteilung, an der alle Schutzleiter und der Schutzpotentialausgleich zusammenlaufen, etwa für eine metallene Wasserleitung. Ob zusätzlich ein eigener Erder sinnvoll ist, entscheidet die Elektrofachkraft nach den örtlichen Verhältnissen.
9. Was in die Unterverteilung gehört
- Hauptschalter oder Lasttrennschalter, um das Gartenhaus komplett freizuschalten.
- RCD 30 mA, vierpolig, 40 A Bemessungsstrom.
- B10 für Licht.
- B16 für Steckdosen innen.
- B16 für die Außensteckdose am Gartenhaus.
- C16, dreipolig, für die CEE-Dose der Kreissäge.
- Freie Plätze für spätere Erweiterungen.
Für die Unterverteilung in einem unbeheizten Gartenhaus gilt: Gehäuse mit ausreichender Schutzart gegen Staub und Feuchtigkeit, nicht direkt unter einem undichten Dach.
10. Abschaltbedingung
Damit die 25-A-Vorsicherung (B-Charakteristik) bei einem Kurzschluss in der Zuleitung schnell abschaltet, darf die Schleifenimpedanz höchstens 230 V ÷ (5 × 25 A) = 1,84 Ω betragen. Die 35 m mit 6 mm² tragen 0,263 Ω bei. Gemessen wird bei der Inbetriebnahme an der Unterverteilung und an jeder Steckdose.
11. Leistungsschild der Maschinen lesen
Für Motoren steht auf dem Leistungsschild meist die abgegebene mechanische Leistung, nicht die aufgenommene elektrische. Eine Kreissäge mit „3 kW“ kann je nach Wirkungsgrad mehr Strom ziehen, als unsere Rechnung mit Leistungsfaktor 0,85 ergibt. Maßgeblich ist der angegebene Nennstrom, zum Beispiel „5,8 A“ bei 400 V. Fehlt er, rechnet man vorsichtig mit einem Zuschlag. Außerdem wichtig: die Anschlussart (CEE 16 A, fünfpolig) und das Drehfeld. Läuft das Sägeblatt falsch herum, sind in der CEE-Dose zwei Außenleiter vertauscht.
12. Anzeichen für ein Problem
- Das Licht im Gartenhaus flackert, wenn die Säge anläuft: hoher Spannungsfall auf Zuleitung oder Endstromkreis.
- Die Vorsicherung im Haus löst statt des Automaten im Gartenhaus aus: Staffelung zu knapp.
- Der RCD löst nach feuchten Nächten aus: Feuchtigkeit in Außensteckdose oder Unterverteilung.
13. Häufige Fehler
- Nur bis zur Unterverteilung gerechnet: Der Endstromkreis im Gartenhaus wird beim Spannungsfall vergessen.
- Vieradrige Zuleitung mit PEN: unter 10 mm² nicht zulässig.
- Vorsicherung gleich groß wie die Kreise vor Ort: Dann löst oft die Sicherung im Haus aus.
- NYM-J im Erdreich: Für die Strecke durch den Garten ist NYY-J das richtige Kabel.
- Kein RCD im Gartenhaus: Steckdosen bis 32 A brauchen einen RCD 30 mA.
14. Häufige Fragen
Welches Kabel zum Gartenhaus bei 35 m? Für 3×25 A rechnerisch 5×4 mm² (2,13 %). Mit Endstromkreis besser NYY-J 5×6 mm², Summe 2,67 %.
Reicht 3×16 A? Für die Lasten im Beispiel ja, der größte Außenleiterstrom liegt bei 13,8 A. Dann löst bei Überlast aber oft die Vorsicherung statt des Automaten im Gartenhaus aus.
Wie groß ist der Spannungsfall einphasig? Mit 3×6 mm² und 25 A auf 35 m 2,85 %. Der Querschnitt ist größer als bei Drehstrom, und die Kreissäge ließe sich nicht anschließen.
Brauche ich einen RCD im Haus und im Gartenhaus? Im Gartenhaus auf jeden Fall für die Steckdosen. Ein zweiter RCD im Haus vor der Zuleitung müsste selektiv sein, sonst lösen beide gleichzeitig aus.
Wie tief kommt das Erdkabel? Üblich sind etwa 60 bis 80 cm, mit Sandbett und Warnband darüber.
Zusammenfassung
| Punkt | Ergebnis |
|---|---|
| Größter Außenleiterstrom | 13,8 A |
| Vorsicherung im Haus | 3×25 A |
| Zuleitung | NYY-J 5×6 mm², 35 m |
| Spannungsfall Zuleitung | 1,42 % |
| Bis zur Steckdose (10 m, 2,5 mm²) | 2,67 % |
| Im Gartenhaus | RCD 30 mA, B10, B16, C16 dreipolig |
Anderer Abstand oder andere Geräte? Rechnen Sie Zuleitung und Endstromkreis mit dem Kabelquerschnitt-Rechner nach.
Mit eigenen Werten rechnenKabelquerschnitt-Rechner→Quellen und Normen
- DIN VDE 0100-520 – Kabel- und Leitungsanlagen Spannungsfall vom Zähler bis zum Verbraucher, Erdverlegung
- DIN VDE 0100-410 – Schutz gegen elektrischen Schlag Fehlerstromschutz für Steckdosen, Abschaltbedingungen
- DIN VDE 0298-4 – Strombelastbarkeit von Kabeln und Leitungen Belastbarkeit für Verlegeart B1
- DIN VDE 0100-540 – Erdungsanlagen und Schutzleiter Mindestquerschnitt für PEN-Leiter, Trennung von N und PE
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