Der Fall: Küchenrenovierung in einer Wohnung. Neu sind ein Induktionskochfeld mit 7,2 kW und ein Backofen mit 3,3 kW. Die Herdanschlussdose liegt 12 m vom Unterverteiler entfernt, angeschlossen über NYM-J 5×2,5 mm² im Rohr, abgesichert mit drei LS-Schaltern B16.
Kurze Antwort: Die Kombination passt. Das Kochfeld verteilt seine Leistung auf zwei Außenleiter mit je 15,7 A, der Backofen belegt den dritten mit 14,3 A. Jede Ader trägt in Verlegeart B1 21 A, also mehr als die 16 A des Schutzschalters. Insgesamt stellt der Herdanschluss bis zu 11,0 kW bereit. Der Spannungsfall liegt im ungünstigsten Fall bei 1,50 %.
1. Warum fünf Adern?
Die fünf Adern sind L1, L2, L3, N und PE. Ein Elektroherd ist in Deutschland kein klassischer Drehstromverbraucher wie ein Motor. Jede Kochzone und jeder Heizkörper im Backofen arbeitet mit 230 V zwischen einem Außenleiter und dem Neutralleiter. Die drei Außenleiter dienen nur dazu, die Gesamtleistung auf drei Stromkreise zu verteilen, die sich den Neutralleiter teilen.
Deshalb braucht der Herd den N zwingend. Eine vieradrige Leitung ohne N, wie sie beim Durchlauferhitzer genügt, wäre hier falsch. Die Farben sind festgelegt: Braun, Schwarz und Grau für die Außenleiter, Blau für N, Grüngelb für PE.
2. Wie viel Leistung 3×16 A bereitstellen
Jeder Außenleiter darf dauerhaft 16 A führen. Bei 230 V sind das 16 A × 230 V = 3 680 W pro Außenleiter, zusammen 11,04 kW. Das reicht für nahezu jede Kombination aus Kochfeld und Backofen im Haushalt.
So verteilt sich unser Beispiel:
| Außenleiter | Verbraucher | Leistung | Strom |
|---|---|---|---|
| L1 | Kochfeld, linke Zonen | 3 600 W | 15,65 A |
| L2 | Kochfeld, rechte Zonen | 3 600 W | 15,65 A |
| L3 | Backofen | 3 300 W | 14,35 A |
| N | Rückleiter | – | 1,30 A |
Moderne Induktionskochfelder haben ein Leistungsmanagement, das je Außenleiter unter 16 A bleibt, selbst wenn alle Zonen auf Booster stehen. Die 7,2 kW auf dem Typenschild sind die Summe beider Hälften, nicht der Strom einer Phase.
3. Was der Neutralleiter tragen muss
Viele fragen, ob der gemeinsame N nicht dreimal so viel Strom führt. Die Antwort ist nein. Weil die drei Außenleiter um 120° phasenverschoben sind, heben sich die Ströme im N teilweise auf. Für ohmsche Lasten gilt:
I_N = √(I1² + I2² + I3² − I1·I2 − I2·I3 − I3·I1)
Bei voller Last aller drei Außenleiter sind das nur 1,30 A. Läuft nur das Kochfeld auf L1 und L2, steigt der N-Strom auf 15,7 A. Den höchsten Wert erreicht der N, wenn ein einziger Außenleiter belastet ist; dann führt er genau dessen Strom, also höchstens 16 A. Deshalb genügt für N derselbe Querschnitt wie für die Außenleiter.
4. Reicht 2,5 mm²?
Die Regel lautet: Betriebsstrom ≤ Nennstrom des LS-Schalters ≤ Belastbarkeit der Leitung. Nach DIN VDE 0298-4 (Kupfer, PVC, drei belastete Adern, 30 °C):
| Querschnitt | I_z Verlegeart B1 | I_z Verlegeart C | Mit B16 zulässig? |
|---|---|---|---|
| 1,5 mm² | 15,5 A | 17,5 A | nur in Verlegeart C |
| 2,5 mm² | 21 A | 24 A | ja |
| 4 mm² | 28 A | 32 A | ja, für lange Wege |
Mit 2,5 mm² bleibt in beiden Verlegearten Reserve. Alte Küchen haben manchmal noch 5×1,5 mm² mit 3×16 A. Im Rohr liegen die 15,5 A knapp unter 16 A; das ist nach heutiger Tabelle nicht zulässig. Wer dort renoviert, tauscht die Leitung oder reduziert die Absicherung, wenn das neue Gerät es erlaubt.
5. Spannungsfall: der ungünstigste Fall
Weil jeder Heizkreis zwischen L und N liegt, rechnen wir den Spannungsfall wie einen Wechselstromkreis mit Hin- und Rückleiter, das ist der ungünstigste Fall mit nur einem belasteten Außenleiter:
ΔU = 2 × L × I × ρ ÷ A = 2 × 12 m × 16 A × 0,0225 ÷ 2,5 mm² = 3,46 V (1,50 %)
| Länge | 1,5 mm² | 2,5 mm² | 4 mm² |
|---|---|---|---|
| 12 m | 2,50 % | 1,50 % | 0,94 % |
| 25 m | 5,22 % | 3,13 % | 1,96 % |
Mit 2,5 mm² darf die Leitung bis rund 24 m lang sein, bevor die empfohlenen 3 % erreicht werden. Bei symmetrischer Last ist der Spannungsfall sogar nur etwa halb so groß, weil der N dann kaum Strom führt. Erst in großen Häusern mit weitem Weg zur Küche wird 4 mm² sinnvoll (bis etwa 38 m).
6. Welche Gerätekombinationen passen?
Entscheidend ist nicht die Summe auf dem Typenschild, sondern der größte Strom auf einem einzelnen Außenleiter. Einige typische Kombinationen:
| Kombination | Summe | Größter Außenleiter | Passt zu 3×16 A? |
|---|---|---|---|
| Kochfeld 4,6 kW (L1/L2) + Backofen 3,5 kW (L3) | 8,1 kW | 15,2 A | ja |
| Kochfeld 7,2 kW (L1/L2) + Backofen 3,3 kW (L3) | 10,5 kW | 15,7 A | ja, unser Fall |
| Glaskeramik-Herd 10,8 kW, gleichmäßig verteilt | 10,8 kW | 15,7 A | ja |
| Kochfeld 7,4 kW (L1/L2) + Backofen 3,6 kW (L3) | 11,0 kW | 16,1 A | nur mit Leistungsbegrenzung |
| Kochfeld 11 kW (L1–L3) + Backofen 3,5 kW | 14,5 kW | 21,0 A | nein, Backofen separat |
Bei 7,4-kW-Kochfeldern begrenzt das eingebaute Leistungsmanagement meist jede Hälfte auf 3,68 kW, also genau 16 A. Große Profi-Kochfelder mit 11 kW belegen alle drei Außenleiter selbst; der Backofen bekommt dann einen eigenen Stromkreis, zum Beispiel eine Steckdose mit B16.
7. Das Typenschild lesen
Auf dem Typenschild oder im Datenblatt stehen die Angaben, die für den Anschluss zählen:
- „3N~ 400 V“ oder „2N~ 400 V“: drei beziehungsweise zwei Außenleiter plus Neutralleiter. „1N~ 230 V“ heißt einphasig.
- Anschlusswert: die Summe aller Heizkreise, etwa 7,2 kW.
- Leistung je Außenleiter: steht meist nur in der Montageanleitung, ist aber der eigentliche Prüfwert.
- Einstellbare Leistungsbegrenzung: viele Kochfelder lassen sich im Servicemenü auf zum Beispiel 3,5 oder 4,6 kW drosseln, wenn die Installation nicht mehr hergibt.
8. Die Herdanschlussdose richtig belegen
In der Herdanschlussdose kommen fünf Adern an. Am Gerät hängt oft eine Anschlussleitung mit fünf oder nur drei Adern, je nach Ausführung. Die Montageanleitung zeigt, welche Klemmen gebrückt werden:
- Drehstromanschluss (Standard): L1, L2, L3 getrennt, N und PE jeweils einzeln. Keine Brücken zwischen den Außenleitern.
- Zweiphasenanschluss: Manche Kochfelder nutzen nur L1 und L2. Der dritte Außenleiter bleibt in der Dose frei oder versorgt den Backofen.
- Einphasige Brücke: Für Altbauten ohne Drehstrom erlaubt der Hersteller manchmal, alle Außenleiterklemmen zu brücken. Dann fließt der Gesamtstrom über eine Ader: bei 10,5 kW sind das 45,7 A. Dafür sind weder 2,5 mm² noch ein B16 ausgelegt; das Leistungsmanagement des Kochfelds muss dann auf einen kleinen Wert begrenzt werden.
Ein Kochfeld darf nie an zwei Außenleiter zwischen L1 und L2 gelegt werden, wenn es für 230 V gebaut ist. Dort liegen 400 V an, und die Elektronik ist sofort zerstört.
9. Absicherung und Schutz
Dreipolig abschalten: Üblich ist ein dreipoliger LS-Schalter oder drei einpolige mit gemeinsamem Schaltbügel. So sind beim Arbeiten am Herd alle Außenleiter gleichzeitig frei geschaltet.
Fehlerstromschutz: Für fest angeschlossene Geräte fordert DIN VDE 0100-410 einen RCD nicht in jedem Fall. In neuen Verteilern liegt der Herdkreis trotzdem fast immer hinter einem RCD 30 mA, weil die Endstromkreise ohnehin auf mehrere RCDs aufgeteilt werden. Induktionskochfelder vertragen sich in aller Regel mit einem RCD Typ A; die Anleitung nennt den passenden Typ.
Abschaltbedingung: Für einen B16 darf die Schleifenimpedanz höchstens 230 V ÷ (5 × 16 A) = 2,875 Ω betragen. Die 12 m Leitung tragen mit 2,5 mm² nur 0,216 Ω dazu bei.
10. Checkliste vor dem Anschluss
- Typenschild von Kochfeld und Backofen lesen: Leistung je Außenleiter, Anschlussart. Der Anschluss selbst gehört in die Hand einer Elektrofachkraft.
- Leitung prüfen: fünfadrig, mindestens 2,5 mm² bei 3×16 A im Rohr.
- Belegung nach Anleitung, keine Brücken ohne Herstellerfreigabe.
- Klemmen in der Dose fest anziehen; lose Herdklemmen sind eine häufige Brandursache.
- Drehfeld ist für den Herd egal, die Zuordnung zu den Außenleitern nicht.
- Messen: Isolation, Schleifenimpedanz, RCD.
11. Typische Fehler
- N vergessen: Vieradrig verlegt, weil es „Drehstrom“ ist. Ohne N funktioniert der Herd nicht.
- Alle Zonen auf einen Außenleiter: Ein B16 löst dann beim Kochen regelmäßig aus.
- Ungeprüfte Brücke: Gebrückte Außenleiter an einer 2,5-mm²-Leitung mit 16 A überlasten die Adern.
- Herd über Schukostecker: Ein 7-kW-Kochfeld gehört nicht an eine Steckdose.
12. Häufige Fragen
Warum 3×16 A und nicht 3×20 A? 16 A pro Außenleiter reichen für 11,0 kW und passen zu 2,5 mm² im Rohr. 20 A würden ebenfalls auf 2,5 mm² passen (21 A in B1), bringen aber im Haushalt keinen Vorteil.
Kann ich ein 7,2-kW-Kochfeld an 3×1,5 mm² anschließen? Nein. Selbst auf zwei Außenleiter verteilt fließen 15,7 A je Leiter, und eine dreiadrige Leitung bietet nur einen Außenleiter.
Wie viel Strom braucht der Herd beim Kochen? Ein Abendessen mit zwei Zonen auf mittlerer Stufe, zusammen etwa 2 kW über 45 Minuten, braucht rund 1,5 kWh.
Wie lang darf die 2,5-mm²-Leitung sein? Bis etwa 24 m bei 16 A im ungünstigsten Fall und 3 % Spannungsfall.
Woran erkenne ich, dass ein Außenleiter überlastet ist? Löst immer derselbe der drei LS-Schalter aus, liegen zu viele Zonen auf diesem Außenleiter. Eine Stromzange an den drei Adern in der Verteilung zeigt das beim Kochen sofort; im Beispiel sollten es höchstens 15,7 A je Leiter sein.
Brauche ich für den Backofen eine eigene Leitung? Nicht unbedingt. Er kann an den dritten Außenleiter der Herdanschlussdose. Manche Backöfen haben einen Schukostecker und kommen an eine eigene Steckdose.
Zusammenfassung
| Punkt | Ergebnis |
|---|---|
| Leitung | NYM-J 5×2,5 mm² |
| Absicherung | 3×16 A, dreipolig |
| Verfügbare Leistung | 11,04 kW |
| Ströme im Beispiel | 15,7 / 15,7 / 14,3 A, N 1,3 A |
| Spannungsfall 12 m | höchstens 1,50 % |
| Max. Länge (3 %) | etwa 24 m |
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Mit eigenen Werten rechnenKabelquerschnitt-Rechner→Quellen und Normen
- DIN VDE 0298-4 – Strombelastbarkeit von Kabeln und Leitungen Belastbarkeit für Verlegeart B1 und C
- DIN VDE 0100-410 – Schutz gegen elektrischen Schlag Abschaltbedingungen und Fehlerstromschutz
- DIN 18015-1 – Elektrische Anlagen in Wohngebäuden, Planungsgrundlagen Herdanschluss als eigener Drehstromkreis
- Kabelquerschnitt-Rechner von SizeBench Rechnung mit eigenen Werten
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