Der Fall: Zweizimmerwohnung im Dachgeschoss, Wohn-Schlafbereich mit rund 30 m². Eingebaut ist ein Split-Gerät mit 3,5 kW Nennkühlleistung und einer saisonalen Leistungszahl (SEER) von 6,1 laut Energielabel. Das Gerät läuft an heißen Tagen nachmittags und abends.
Kurze Antwort: Bei Volllast nimmt das Gerät rund 0,57 kW auf. Mit 6 Stunden am Tag, 30 Tagen im Monat und 60 % mittlerer Last sind das 62 kWh pro Monat und 186 kWh für drei Sommermonate. Ein realistischeres Nutzungsprofil mit kühlen und heißen Wochen ergibt 129 kWh von Juni bis September.
1. Von der Kühlleistung zur Stromaufnahme
Die 3,5 kW auf dem Karton beschreiben, wie viel Wärme das Gerät aus dem Raum holt – nicht, wie viel Strom es zieht. Der Zusammenhang läuft über die Leistungszahl. Der Rechner teilt die Kühlleistung durch den SEER-Wert:
3,5 kW ÷ 6,1 = 0,574 kW bei Volllast
Das entspricht etwa 2,5 A an 230 V. Ein Inverter-Gerät läuft aber selten mit voller Leistung. Ist der Raum einmal heruntergekühlt, regelt der Verdichter zurück. Im Mittel über eine Betriebsstunde setzen wir deshalb 60 % der Volllast an, also 0,34 kW. Werte zwischen 50 und 70 % sind für Wohnräume üblich; an sehr heißen Tagen im Dachgeschoss liegt die Last höher.
2. Verbrauch pro Monat und pro Sommer
Mit dieser mittleren Leistung wird die Rechnung einfach:
0,574 kW × 60 % × 6 h × 30 Tage = 62,0 kWh pro Monat
Über drei Monate summiert sich das auf 186 kWh. Entscheidend ist die Laufzeit pro Tag. Die folgende Tabelle zeigt, wie stark sie das Ergebnis verschiebt:
| Laufzeit pro Tag | pro Monat (30 Tage) | pro Sommer (3 Monate) |
|---|---|---|
| 3 h | 31 kWh | 93 kWh |
| 6 h (Fall) | 62 kWh | 186 kWh |
| 9 h | 93 kWh | 279 kWh |
| 12 h | 124 kWh | 372 kWh |
Wer das Gerät auch nachts im Schlafzimmer durchlaufen lässt, landet schnell bei der Zeile mit 12 Stunden. Der Verbrauch wächst linear mit den Stunden – eine Verdopplung der Laufzeit verdoppelt die Kilowattstunden.
3. Ein realistischer Sommer statt 90 gleicher Tage
Kein Sommer besteht aus 90 identischen Hitzetagen. Für die Wohnung im Fall haben wir ein Profil angenommen, das zu einem warmen, aber nicht extremen Jahr passt:
| Monat | Kühltage | Stunden pro Tag | Verbrauch |
|---|---|---|---|
| Juni | 12 | 5 h | 21 kWh |
| Juli | 22 | 7 h | 53 kWh |
| August | 20 | 7 h | 48 kWh |
| September | 5 | 4 h | 7 kWh |
| Summe | 59 | – | 129 kWh |
Das Profil ist eine Annahme, keine Statistik. Es zeigt aber, worauf es ankommt: Juli und August machen den Großteil aus, Juni und September fallen kaum ins Gewicht. Und ein Rekordsommer? Angenommen, Juli und August bestehen komplett aus Hitzetagen: 31 Tage pro Monat, 8 Stunden Laufzeit und wegen der Dachhitze 70 % statt 60 % mittlere Last. Dann verbraucht das Gerät allein in diesen beiden Monaten 199 kWh, also gut das 1,5-Fache unseres normalen Profils. Diese Bandbreite sollte man im Kopf haben, bevor man aus einem einzelnen Sommer auf alle folgenden schließt.
Wer die eigenen Kühltage in einem Heft oder in der App des Geräts mitschreibt, kann die Rechnung im nächsten Jahr mit echten Zahlen wiederholen.
4. Split, Monoblock oder Spitzengerät?
Die Leistungszahl entscheidet über den Verbrauch mindestens so stark wie die Laufzeit. Der Rechner vergleicht drei typische Werte für dieselbe Kühlleistung und dasselbe Nutzungsmuster (6 h, 30 Tage, 3 Monate, 60 % Last):
| Gerätetyp | Leistungszahl | Volllast | Verbrauch pro Sommer |
|---|---|---|---|
| Mobiles Monoblockgerät | 2,6 | 1,35 kW | 436 kWh |
| Split-Inverter (Fall) | 6,1 | 0,57 kW | 186 kWh |
| Split-Inverter, sehr effizient | 7,0 | 0,50 kW | 162 kWh |
Das Monoblockgerät braucht für dieselbe Arbeit gut das 2,3-Fache. In der Praxis ist der Abstand oft noch größer: Der Abluftschlauch drückt warme Luft nach draußen, und durch Fenster- und Türspalte strömt warme Außenluft nach. Die Nennkühlleistung eines Monoblocks wird außerdem unter günstigen Bedingungen gemessen. Der Unterschied zwischen SEER 6,1 und 7,0 ist dagegen überschaubar: 24 kWh pro Sommer im Fall.
5. Wovon die mittlere Last abhängt
Die 60 % sind die unsicherste Annahme der Rechnung. Sie hängen davon ab, wie gut das Gerät zum Raum passt und wie viel Wärme hereinkommt:
- Mit 80 % Last (Dachgeschoss ohne Außenverschattung, Gerät knapp bemessen) steigt der Sommerverbrauch auf 248 kWh.
- Mit 40 % Last (gut verschattet, Gerät großzügig bemessen) sinkt er auf 124 kWh.
- Ein kleineres Gerät mit 2,5 kW bei sonst gleichen Annahmen käme auf 133 kWh. Rechnerisch sparsamer, aber nur sinnvoll, wenn es den Raum auch schafft. Ein zu kleines Gerät läuft dauerhaft am Anschlag.
Am meisten bringt außen liegender Sonnenschutz. Jede Kilowattstunde Sonnenwärme, die gar nicht erst in den Raum gelangt, muss das Gerät nicht wieder hinausbefördern.
6. Zweites Szenario: Schlafzimmer mit Nachtbetrieb
Viele Haushalte kühlen nicht das Wohnzimmer am Nachmittag, sondern das Schlafzimmer in der Nacht. In der Beispielwohnung kommt im zweiten Sommer ein kleines Split-Gerät mit 2,5 kW im Schlafzimmer dazu. Es läuft an 25 Nächten im Monat jeweils 8 Stunden, nachts aber mit niedriger Last, denn die Sonne fällt weg. Wir setzen 40 % an:
2,5 kW ÷ 6,1 × 40 % × 8 h × 25 Nächte = 32,8 kWh pro Monat
Über drei Monate sind das 98 kWh. Zusammen mit dem Gerät im Wohnbereich kommt die Wohnung auf 284 kWh pro Sommer. Das Beispiel zeigt, dass lange Laufzeiten bei geringer Last weniger ins Gewicht fallen, als die Stundenzahl vermuten lässt.
Zur Einordnung: Ein Heizlüfter mit 2 kW, der im Winter nur 2 Stunden am Tag läuft, verbraucht in einem einzigen Monat 120 kWh – fast so viel wie das Split-Gerät im ganzen angenommenen Sommerprofil (129 kWh). Der Grund ist die Leistungszahl: Das Klimagerät bewegt Wärme, statt sie aus Strom zu erzeugen.
7. Energielabel und Datenblatt lesen
- Nennkühlleistung (kW): Basis der Rechnung. Nicht mit der Leistungsaufnahme verwechseln.
- SEER: Saisonale Leistungszahl für das Kühlen. Je höher, desto weniger Strom pro Kilowattstunde Kälte. Der Wert steht auf dem Label und im Datenblatt in der EPREL-Datenbank.
- Jahresenergieverbrauch in kWh/a: Beruht auf einer genormten Zahl von Volllaststunden. Er eignet sich zum Vergleich zweier Geräte, nicht als Prognose für die eigene Wohnung.
- SCOP: Gilt für den Heizbetrieb. Wer das Gerät im Winter als Luft-Luft-Wärmepumpe nutzt, braucht diesen Wert für die Winterrechnung.
- Minimalleistung: Ein Inverter mit niedriger Untergrenze läuft an milden Abenden gleichmäßig durch, statt ständig an- und auszuschalten.
8. Checkliste: Verbrauch selbst messen
- Zählerstand notieren: Am ersten heißen Tag und am Ende des Sommers. Hat das Gerät einen eigenen Stromkreis, lässt sich das mit einem Zwischenzähler im Verteiler sauber trennen.
- Steckdosen-Messgerät nutzen: Bei Monoblockgeräten mit Stecker liefert ein Zwischenstecker die genaue Kilowattstundenzahl.
- Kühltage zählen: Erst die Kombination aus Tagen und Stunden macht die Zahl vergleichbar.
- Solltemperatur dokumentieren: 24 °C oder 21 °C machen einen spürbaren Unterschied in der Laufzeit.
- Filter reinigen: Verstopfte Filter erhöhen die Last und den Verbrauch.
9. Häufige Fehler
- Kühlleistung als Verbrauch gerechnet: 3,5 kW × 6 h × 30 Tage ergäbe 630 kWh im Monat – mehr als das Zehnfache der realistischen 62 kWh.
- Volllast angenommen: Ohne Teillast liegt der Monatswert bei 103 statt 62 kWh.
- Tür offen lassen: Ein Gerät, das die ganze Wohnung mitkühlen soll, läuft dauerhaft mit hoher Last.
- Außengerät in der Mittagssonne: Je heißer die Luft am Verflüssiger, desto schlechter die Leistungszahl.
- Zu tiefe Solltemperatur: Jedes Grad mehr Temperaturunterschied zur Außenluft verlängert die Laufzeit.
10. Häufige Fragen
Wie viel Strom verbraucht eine Klimaanlage pro Stunde? Das Split-Gerät im Fall bei 60 % Last etwa 0,34 kWh pro Stunde, bei Volllast 0,57 kWh.
Wie viel verbraucht ein Klimagerät, das die ganze Nacht läuft? Ein 2,5-kW-Gerät mit 8 Stunden bei 40 % Last braucht im Fall 1,31 kWh pro Nacht, also 33 kWh in 25 Nächten.
Wie viele kWh braucht ein 3,5-kW-Gerät im Monat? Bei 6 Stunden täglich und 30 Tagen rund 62 kWh, bei 12 Stunden 124 kWh.
Verbraucht ein mobiles Klimagerät wirklich so viel mehr? Mit einer Leistungszahl von 2,6 kommen im gleichen Sommer 436 kWh zusammen, gegenüber 186 kWh beim Split-Gerät.
Lohnt sich ein Gerät mit SEER 7,0 statt 6,1? Im Fall spart es 24 kWh pro Sommer. Bei langen Laufzeiten oder zusätzlichem Heizbetrieb im Winter wird der Unterschied größer.
Kann eine PV-Anlage den Verbrauch decken? Die Kühlung läuft vor allem an sonnigen Nachmittagen, also dann, wenn die Anlage viel erzeugt. Ein großer Teil der 129 kWh lässt sich deshalb direkt mit Solarstrom decken – wie viel genau, hängt von Anlagengröße und Uhrzeit ab.
Zusammenfassung
| Punkt | Ergebnis |
|---|---|
| Stromaufnahme bei Volllast | 0,57 kW |
| Mittlere Leistung (60 %) | 0,34 kW |
| Verbrauch pro Monat (6 h × 30 Tage) | 62 kWh |
| Verbrauch pro Sommer (3 Monate) | 186 kWh |
| Realistisches Profil Juni–September | 129 kWh |
| Gleiche Nutzung mit Monoblock | 436 kWh |
| Zusätzlich Schlafzimmer nachts (2,5 kW) | 98 kWh |
Andere Laufzeit, anderes Gerät oder mehr Kühltage? Der Stromverbrauchsrechner für Klimaanlagen rechnet mit derselben Formel – geben Sie Kühlleistung, SEER und Ihre Nutzungszeiten ein.
Mit eigenen Werten rechnenKlimaanlage Stromverbrauch berechnen: Kosten pro Monat→Quellen und Normen
- EPREL – Europäische Produktdatenbank für die Energieverbrauchskennzeichnung SEER, Nennkühlleistung und Energielabel konkreter Geräte
- Verordnung (EU) Nr. 206/2012 – Ökodesign-Anforderungen an Raumklimageräte Definition der saisonalen Leistungszahl SEER
- Umweltbundesamt – Energiesparen und Klimageräte Hinweise zu Sonnenschutz und sparsamer Kühlung
- Verbraucherzentrale – Energieberatung Einordnung von Monoblock- und Split-Geräten
- Klimaanlagen-Stromverbrauchsrechner von SizeBench dieselbe Rechnung mit Ihren Werten
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