Praxisbeispiel · E-Auto laden

Ladedauer 11-kW-Wallbox bei 77-kWh-Akku

77 kWh nutzbarer Akku, eine frisch installierte 11-kW-Wallbox in der Garage. Wie lange dauert eine Ladung wirklich, und was ändert sich, wenn der Netzbetreiber dimmt oder die Sonne lädt?

Ladedauer 11-kW-Wallbox bei 77-kWh-Akku

Der Fall: Elektroauto mit 77 kWh nutzbarer Akkukapazität und dreiphasigem 11-kW-Bordlader. Geladen wird an einer 11-kW-Wallbox (3 × 16 A, 400 V) in der eigenen Garage. Wir rechnen mit 90 % Ladewirkungsgrad.

Kurze Antwort: Von 20 auf 80 % dauert es 4 h 40 min, von 0 auf 100 % 7 h 47 min. Pro Stunde kommen rund 9,9 kWh in den Akku, das sind bei 18 kWh/100 km etwa 55 km Reichweite pro Stunde. Wird die Wallbox nach § 14a EnWG auf 4,2 kW gedimmt, dauert 20 → 80 % dagegen 12 h 13 min.

Schwarzes Elektroauto beim Laden auf einem Parkplatz
Abbildung 1. Mit 11 kW ist ein großer Akku über Nacht sicher voll, auch von fast leer. Foto: Michael Fousert / Unsplash

1. Die Grundrechnung

Ladedauer = Akkukapazität × (Ziel-% − Start-%) ÷ (Ladeleistung × Wirkungsgrad)

Für 20 → 80 %: 77 kWh × 0,6 = 46,2 kWh. Geteilt durch 11 kW × 0,90 = 9,9 kW ergibt 4,67 Stunden, also 4 h 40 min.

Der Wirkungsgrad von 90 % steht für die Verluste in Bordlader, Kabel und Batterie. Aus dem Netz kommen für diese Ladung deshalb 51,3 kWh, im Akku landen 46,2 kWh. Die Differenz von 5,1 kWh wird zu Wärme.

2. Ladedauer nach Start- und Zielwert

Ladung Energie in den Akku Aus dem Netz Ladedauer bei 11 kW
0 → 100 % 77,0 kWh 85,6 kWh 7 h 47 min
10 → 80 % 53,9 kWh 59,9 kWh 5 h 27 min
20 → 80 % 46,2 kWh 51,3 kWh 4 h 40 min
30 → 100 % 53,9 kWh 59,9 kWh 5 h 27 min
10 → 90 % 61,6 kWh 68,4 kWh 6 h 13 min
0 → 100 %7 h 47 min10 → 80 %5 h 27 min20 → 80 %4 h 40 min30 → 100 %5 h 27 min10 → 90 %6 h 13 min
Abbildung 2. Ladedauer bei 11 kW für 77 kWh, 90 % Wirkungsgrad.

An der AC-Wallbox ist die Ladeleistung über fast den gesamten Ladebereich konstant. Anders als am Schnelllader bricht sie nicht ab 50 oder 80 % ein. Erst kurz vor 100 % reduzieren viele Autos den Strom etwas, um die Zellen auszubalancieren; das verlängert eine Vollladung meist nur um Minuten.

3. Wenn das Auto keine 11 kW kann

Die Wallbox bietet 11 kW an, laden muss das Auto. Entscheidend ist der Bordlader (On-Board-Charger):

Bordlader / Situation Ladeleistung 20 → 80 % 0 → 100 %
dreiphasig 16 A 11,0 kW 4 h 40 min 7 h 47 min
einphasig 32 A (nur an passender Wallbox) 7,4 kW 6 h 56 min 11 h 34 min
einphasig 16 A an 11-kW-Wallbox 3,7 kW 13 h 52 min 23 h 07 min
Notladekabel Schuko 10 A 2,3 kW 22 h 19 min 37 h 12 min

Ein einphasiger Bordlader nutzt an der 11-kW-Wallbox nur einen Außenleiter mit 16 A, also 3,7 kW. Das betrifft vor allem ältere oder günstige Modelle. Prüfen Sie im Datenblatt die Angabe „AC-Ladeleistung“ und die Anzahl der Phasen.

024487296120048121620StundenLadestand (%)8 h Nacht11,0 kW3,7 kW7,4 kW
Abbildung 3. Ladestand über der Zeit ab 20 %, 77 kWh, 90 % Wirkungsgrad.
Weißes Elektroauto an einer Wandladestation
Abbildung 4. Die Ladeleistung bestimmt am Ende der Bordlader, nicht die Wallbox allein. Foto: smart-me AG / Unsplash

4. Gedimmt nach § 14a EnWG

Wallboxen über 4,2 kW, die seit 2024 neu angeschlossen werden, gelten als steuerbare Verbrauchseinrichtungen. Bei Engpässen im Ortsnetz darf der Netzbetreiber die Leistung zeitweise reduzieren, muss aber mindestens 4,2 kW zulassen. Im Gegenzug gibt es reduzierte Netzentgelte.

Für unsere Ladung bedeutet das:

  • 20 → 80 % mit voller Leistung: 4 h 40 min
  • 20 → 80 % durchgehend gedimmt auf 4,2 kW: 12 h 13 min
  • 0 → 100 % gedimmt: 20 h 22 min

Eine Dimmung dauert in der Regel nicht die ganze Nacht, sondern wird nur in Spitzenzeiten aktiv. Selbst im ungünstigsten Fall, also acht Stunden durchgehend gedimmt, kommen noch 30 kWh in den Akku. Das reicht für rund 168 km und damit für die Pendelstrecke der meisten Haushalte.

11,0 kW79 kWh7,4 kW53 kWh4,2 kW30 kWh3,7 kW27 kWh2,3 kW17 kWh
Abbildung 5. Energie im Akku nach 8 Stunden Ladezeit je nach Ladeleistung (90 % Wirkungsgrad).

Wichtiger als die Dimmung ist für die Ladedauer also, ob das Auto überhaupt dreiphasig lädt. Ein einphasiger Bordlader mit 3,7 kW bleibt jede Nacht unter dem, was selbst eine gedimmte Wallbox liefern dürfte.

5. Mit Sonnenstrom laden

Mit PV-Anlage und Überschussladen richtet sich die Ladeleistung nach dem, was die Module gerade übrig haben. Technisch gibt es Untergrenzen: Einphasig lädt ein Auto meist ab 6 A, also rund 1,4 kW; dreiphasig ab 6 A je Phase, also gut 4 kW. Wallboxen mit Phasenumschaltung wechseln je nach Überschuss zwischen beiden Betriebsarten.

Mittlerer Überschuss Energie in 6 h Sonne Ladestand-Gewinn
1,4 kW 7,6 kWh 10 %
3,0 kW 16,2 kWh 21 %
4,1 kW 22,1 kWh 29 %
6,0 kW 32,4 kWh 42 %

Ein sonniger Samstag mit 4 kW Überschuss bringt also rund ein Drittel Akku. Bei kleinen Leistungen sinkt der Wirkungsgrad allerdings, weil die Bordelektronik einen festen Grundverbrauch hat. Die 90 % aus unserer Rechnung sind bei 1,4 kW eher optimistisch.

6. Wie oft muss überhaupt geladen werden?

Die Frage nach der Ladedauer stellt sich im Alltag seltener, als man denkt. Bei 18 kWh pro 100 km reichen die 46,2 kWh zwischen 20 und 80 % für rund 257 km. Wer täglich 50 km fährt, braucht 9 kWh pro Tag:

Ladestrategie Ladungen pro Woche Dauer je Ladung (11 kW)
jeden Abend nachladen 7 0 h 55 min
zweimal pro Woche (je 3,5 Tage) 2 3 h 11 min
einmal pro Woche 1 6 h 22 min

Für den Akku macht es kaum einen Unterschied, ob er täglich ein wenig oder wöchentlich viel nachgeladen wird, solange der Ladestand meist im mittleren Bereich bleibt. Praktisch ist das tägliche Anstecken: Das Auto startet jeden Morgen mit derselben Reichweite, und eine dynamische Dimmung fällt bei so kleinen Ladungen gar nicht ins Gewicht.

7. Was die Rechnung nicht abbildet

Kälte: Ein kalter Akku nimmt nicht immer sofort die volle Leistung an. Manche Autos heizen ihn zuerst auf; die Energie dafür verlängert die Ladung und erhöht die Verluste.

Wirkungsgrad: Wir rechnen mit 90 %. Je nach Auto, Temperatur und Ladeleistung liegen reale Werte etwas darüber oder darunter. Die Spanne wirkt sich direkt auf die Ladezeit aus: Bei 85 % dauert 20 → 80 % 4 h 56 min, bei 95 % nur 4 h 25 min. Ihren eigenen Wert ermitteln Sie, indem Sie die Energie laut Wallbox-Zähler mit der Zunahme laut Akku-Anzeige vergleichen, am besten über mehrere Ladungen gemittelt.

Brutto und netto: 77 kWh sind hier die nutzbare Kapazität. Steht im Prospekt eine höhere Zahl, ist das meist die Bruttokapazität.

Ladelimit: Viele Hersteller empfehlen für den Alltag ein Ladeziel von 80 bis 90 %. Das spart nicht nur Ladezeit, sondern schont den Akku.

Wallbox-Begrenzung: Ist die Wallbox wegen eines Lastmanagements auf 10 oder 13 A pro Phase eingestellt, sinkt die Leistung auf rund 6,9 bzw. 9,0 kW.

8. Display und App richtig lesen

  • Ladeleistung in kW: Bei 11 kW zeigt das Auto oft 10 bis 10,5 kW an, weil es nach dem Bordlader misst.
  • Ladestrom je Phase: 16 A auf allen drei Phasen bedeutet volle Leistung; 16 A auf nur einer Phase heißt einphasiges Laden.
  • Restzeit: Die Prognose des Autos berücksichtigt Temperatur und Ladeziel, ist anfangs aber oft ungenau.
  • Zählerstand der Wallbox: Zeigt die Energie aus dem Netz, also inklusive Verluste. Im Vergleich mit der Akku-Anzeige sehen Sie Ihren realen Wirkungsgrad.

9. Checkliste für zügiges Laden

  1. Bordlader dreiphasig? Datenblatt prüfen.
  2. Wallbox auf 16 A eingestellt, nicht auf einen niedrigeren Startwert?
  3. Ladekabel Typ 2 für 3 × 16 A ausgelegt?
  4. Ladeziel im Auto realistisch gesetzt, z. B. 80 %?
  5. Ladeplanung im Auto (Abfahrtszeit) nicht versehentlich auf späten Start gestellt?

10. Woran Sie ein Problem erkennen

  • Die Ladeleistung bleibt dauerhaft bei 3,7 kW, obwohl das Auto 11 kW kann: Eine Phase fehlt oder die Wallbox ist falsch konfiguriert.
  • Die Wallbox bricht die Ladung mit Fehlerstrom-Meldung ab.
  • Der Zählerstand der Wallbox liegt deutlich mehr als 15 % über der Energie, die das Auto anzeigt.
  • Stecker oder Ladedose werden auffällig warm.

11. Häufige Fehler

  • Mit 11 kW im Akku rechnen. Ankommen rund 9,9 kW.
  • Vom Schnelllader auf die Wallbox schließen. An der Wallbox bricht die Leistung nicht ab 80 % ein.
  • Eine 22-kW-Wallbox kaufen, um schneller zu laden, obwohl der Bordlader nur 11 kW kann.
  • Nur auf die Wallbox schauen. Ein einphasiger Bordlader halbiert die Leistung mehr als jede Dimmung.

Häufige Fragen

Wie lange dauert 0 auf 100 % an der 11-kW-Wallbox? Rund 7 h 47 min bei 90 % Wirkungsgrad.

Wie viele Kilometer lade ich pro Stunde? Bei 18 kWh/100 km etwa 55 km.

Wie lange lädt das Auto, wenn der Netzbetreiber dimmt? Bei durchgehend 4,2 kW dauert 20 → 80 % 12 h 13 min.

Lohnt sich für diesen Akku eine 22-kW-Wallbox? Nur wenn das Auto einen 22-kW-Bordlader hat. Dann sinkt 20 → 80 % auf 2 h 20 min. Mit 11-kW-Bordlader lädt es an der 22-kW-Box genauso lange wie an der 11-kW-Box.

Wie viel Strom zieht eine Vollladung aus dem Netz? 85,6 kWh für 77 kWh im Akku.

Reicht eine Nacht von 22 bis 6 Uhr? Ja. In 8 Stunden kämen bei 11 kW rund 79 kWh in den Akku, also mehr als seine gesamte Kapazität. Selbst von 0 % ist er nach 7 h 47 min voll.

Zusammenfassung

Punkt Ergebnis
Leistung im Akku ≈ 9,9 kW (55 km/h)
20 → 80 % 4 h 40 min
0 → 100 % 7 h 47 min
Einphasig 3,7 kW, 20 → 80 % 13 h 52 min
Gedimmt 4,2 kW, 20 → 80 % 12 h 13 min
Netzbezug 20 → 80 % 51,3 kWh

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Quellen und Normen

  1. Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) § 14a steuerbare Verbrauchseinrichtungen und Mindestleistung bei Netzengpässen
  2. Bundesnetzagentur – Steuerbare Verbrauchseinrichtungen Festlegung zur netzorientierten Steuerung (4,2 kW Mindestbezug)
  3. Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) § 19 Anmeldepflicht für Ladeeinrichtungen
  4. DIN VDE 0100-722 – Stromversorgung von Elektrofahrzeugen Anforderungen an den Ladestromkreis
  5. E-Auto-Ladezeit-Rechner von SizeBench dieselbe Rechnung für Ihr Modell und Ihre Ladestation

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