Der Fall: Kompaktwagen, Reifendrucktabelle in der Tankklappe: vorne 2,3 bar, hinten 2,1 bar bei normaler Beladung; voll beladen vorne 2,6 und hinten 2,9 bar. Die neue Akku-Luftpumpe zeigt nur psi an. Gemessen wird morgens in der Garage bei rund 20 °C.
Kurze Antwort: 1 bar sind 14,5038 psi. Vorne müssen also 33,4 psi in den Reifen, hinten 30,5 psi. Wird im Winter bei −5 °C nachgemessen, zeigt derselbe Reifen nur noch 2,02 bar – ohne dass Luft entwichen ist.
1. Der Umrechnungsfaktor
Das psi (pound-force per square inch) stammt aus dem angloamerikanischen Maßsystem. Es ist exakt definiert über das Pfund, die Normfallbeschleunigung und den Zoll:
1 psi = 0,45359237 kg × 9,80665 m/s² ÷ (0,0254 m)² = 6.894,757 Pa
Ein bar sind 100.000 Pa. Daraus folgt:
- bar in psi: bar × 14,5038
- psi in bar: psi × 0,06895
Zum Kopfrechnen genügt: bar mal 14,5 ergibt psi, psi geteilt durch 14,5 ergibt bar. Bei Reifendrücken liegt der Fehler dieser Abkürzung unter 0,01 bar und damit weit unter der Messgenauigkeit jeder Tankstellen-Pumpe.
Für den Fall:
2,3 bar × 14,5038 = 33,36 psi (vorne) 2,1 bar × 14,5038 = 30,46 psi (hinten)
Die meisten Pumpen lassen sich nur in ganzen psi einstellen. Vorne stellt man dann 33 psi ein, hinten 30 psi.
2. Tabellen: bar in psi und psi in bar
Für typische Pkw-Reifendrücke:
| bar | psi |
|---|---|
| 1,8 | 26,1 |
| 2,0 | 29,0 |
| 2,2 | 31,9 |
| 2,3 | 33,4 |
| 2,4 | 34,8 |
| 2,5 | 36,3 |
| 2,6 | 37,7 |
| 2,8 | 40,6 |
| 3,0 | 43,5 |
| 3,5 | 50,8 |
Und umgekehrt, für Werte aus amerikanischen Handbüchern oder von Importreifen:
| psi | bar |
|---|---|
| 26 | 1,79 |
| 28 | 1,93 |
| 30 | 2,07 |
| 32 | 2,21 |
| 33 | 2,28 |
| 35 | 2,41 |
| 36 | 2,48 |
| 38 | 2,62 |
| 40 | 2,76 |
| 44 | 3,03 |
Manche Geräte zeigen außerdem kPa an. Das ist einfach: 1 bar = 100 kPa, also entsprechen 2,3 bar genau 230 kPa.
3. Überdruck, nicht absoluter Druck
Reifenfüller zeigen den Überdruck an, also den Druck über dem Luftdruck der Umgebung. Ein platter Reifen zeigt 0 bar, obwohl innen natürlich noch Luft mit Umgebungsdruck ist. Für die Umrechnung von bar in psi spielt das keine Rolle, solange beide Werte Überdruck sind. In amerikanischen Unterlagen steht dafür manchmal „psig“ (g für gauge), der absolute Druck heißt „psia“. Ein Reifen mit 2,3 bar Überdruck hat absolut rund 3,31 bar, also 48,1 psia. Wer in einem technischen Datenblatt auf psia stößt, muss vor dem Vergleich mit der Pumpe erst den Umgebungsdruck abziehen.
Wichtig wird der Unterschied, wenn sich die Temperatur ändert. Dann verhält sich der absolute Druck – Überdruck plus rund 1,013 bar Umgebungsdruck – proportional zur absoluten Temperatur in Kelvin.
4. Warum der Reifen im Winter „Luft verliert“
Wird ein Reifen bei 20 °C auf 2,3 bar gefüllt, ändert sich der angezeigte Druck mit der Temperatur so:
(2,3 + 1,013) bar × (273,15 − 5) ÷ (273,15 + 20) − 1,013 bar = 2,02 bar
| Reifentemperatur | Angezeigter Druck | in psi |
|---|---|---|
| 20 °C (befüllt) | 2,30 bar | 33,4 psi |
| −5 °C | 2,02 bar | 29,3 psi |
| −10 °C | 1,96 bar | 28,4 psi |
| 50 °C (nach Autobahnfahrt) | 2,64 bar | 38,3 psi |
Ein Druckabfall von 0,28 bar zwischen Herbst und Wintermorgen ist also reine Physik. Er reicht aber aus, damit ein Reifendruckkontrollsystem warnt. Deshalb: Bei Temperaturwechseln nachmessen und auf den Sollwert korrigieren – immer am kalten Reifen.
Der umgekehrte Fehler ist ebenso häufig: Nach einer langen Autobahnfahrt zeigt der Reifen 2,64 bar. Wer dann auf 2,3 bar ablässt, fährt nach dem Abkühlen mit deutlich zu wenig Druck.
5. Bergfahrt: Warum der Druck oben steigt
Der Überdruck bezieht sich auf die Umgebung. Fährt man mit kaltem Reifen von der Küste in die Berge, bleibt der absolute Druck im Reifen gleich, der Luftdruck draußen sinkt aber. Nehmen wir für einen Pass in rund 2.000 m Höhe einen Umgebungsdruck von etwa 0,80 bar an:
2,3 bar + 1,013 bar − 0,80 bar = 2,51 bar angezeigter Druck
Das sind 36,5 statt 33,4 psi. Ablassen sollte man deswegen nicht: Im Tal stimmt der Druck wieder. Wer aber in den Bergen nachfüllt und danach ins Flachland fährt, hat dort etwas zu wenig Druck.
6. Alte Einheiten: atü und kp/cm²
Ältere Prüfgeräte und Werkstattbücher zeigen noch atü (Atmosphäre Überdruck) oder kp/cm². Beide meinen dasselbe: 1 kp/cm² = 0,980665 bar. Der Unterschied zu bar beträgt knapp 2 %.
| Angabe | in bar | in psi |
|---|---|---|
| 2,0 atü | 1,96 bar | 28,4 psi |
| 2,3 atü | 2,26 bar | 32,7 psi |
| 2,5 atü | 2,45 bar | 35,6 psi |
Für einen Oldtimer mit Angaben in atü kann man den Wert in der Praxis direkt als bar übernehmen; die Abweichung liegt unter 0,05 bar.
7. Die Zahl auf der Reifenflanke
Auf vielen Reifen steht neben der Größe ein Hinweis wie „MAX PRESS 51 psi (350 kPa)“. Das ist nicht der empfohlene Fülldruck, sondern der höchste zulässige Druck für den Reifen. 350 kPa sind 3,5 bar – weit über den 2,3 bar, die das Fahrzeug braucht. Maßgeblich ist immer die Angabe des Fahrzeugherstellers im Aufkleber an Tankklappe oder B-Säule und in der Betriebsanleitung.
8. Fahrrad: hier zählt psi oft mehr als bar
Fahrradreifen tragen ihre Druckangabe häufig in beiden Einheiten, Standpumpen auch. Die Spannen sind groß:
| Fahrradtyp | typischer Druck (Beispiel) | in psi |
|---|---|---|
| Rennrad | 7,0 bar | 102 psi |
| Gravel | 3,5 bar | 51 psi |
| Trekking | 4,5 bar | 65 psi |
| Mountainbike | 2,0 bar | 29 psi |
| Lastenrad | 3,0 bar | 44 psi |
Die Werte sind Beispiele; den zulässigen Bereich gibt die Reifenflanke vor. Beim Fahrrad hängen Rollwiderstand und Grip stärker vom Druck ab als beim Auto, und kleine Unterschiede in psi sind spürbar. Schwerere Fahrer und Gepäck verlangen eher das obere Ende des Bereichs, breite Reifen auf schlechtem Untergrund eher das untere.
9. Checkliste: Reifendruck richtig prüfen
- Sollwert nachschlagen: Aufkleber oder Betriebsanleitung, Wert für normale und volle Beladung.
- Einheit der Pumpe prüfen: bar, psi oder kPa – im Zweifel umrechnen.
- Kalt messen: Vor der Fahrt oder nach höchstens wenigen Kilometern.
- Alle vier Reifen prüfen, dazu das Reserverad, falls vorhanden.
- Messgerät gelegentlich vergleichen: Akku-Pumpen und Tankstellen-Füller können voneinander abweichen. Ein einfaches Manometer als zweite Referenz zeigt, ob die eigene Pumpe zu hoch oder zu niedrig misst.
- Ventilkappen wieder aufschrauben: Sie schützen das Ventil vor Schmutz.
- Reifendruckkontrolle zurücksetzen, wenn das Fahrzeug das verlangt.
- Profiltiefe mitprüfen: Die StVZO verlangt mindestens 1,6 mm; für Winterreifen empfehlen Fachleute deutlich mehr.
10. Warum schon 0,3 bar zählen
Der Unterschied zwischen 2,3 und 2,0 bar klingt klein, in psi sind es immerhin gut 4 psi. Für den Reifen bedeutet weniger Druck mehr Verformung bei jeder Umdrehung. Die Flanken walken stärker, der Reifen erwärmt sich, der Rollwiderstand steigt und mit ihm der Kraftstoff- oder Stromverbrauch. Gleichzeitig wird das Lenkverhalten träger, und auf nasser Fahrbahn kann der Reifen das Wasser schlechter verdrängen. Zu viel Druck ist weniger kritisch, verkleinert aber die Aufstandsfläche und verschlechtert den Komfort. Der Sollwert des Herstellers ist ein Kompromiss aus all diesen Punkten – es lohnt sich, ihn genau zu treffen, egal in welcher Einheit die Pumpe misst.
11. Anzeichen für falschen Reifendruck
- Das Lenkrad zieht zu einer Seite.
- Die Reifenschultern nutzen sich stärker ab als die Mitte (zu wenig Druck) oder die Mitte stärker als die Schultern (zu viel Druck).
- Das Fahrzeug wirkt schwammig in Kurven.
- Der Verbrauch steigt ohne erkennbaren Grund.
- Die Warnleuchte der Reifendruckkontrolle geht an – bei neuen Pkw ist ein solches System in der EU seit Jahren vorgeschrieben.
12. Häufige Fehler
- psi-Wert als bar eingegeben: 33 „bar“ statt 33 psi wäre lebensgefährlich – gute Pumpen begrenzen den Druck, Kompressoren nicht unbedingt.
- Maximaldruck der Flanke als Sollwert genutzt: 350 kPa sind 3,5 bar, das ist kein Fülldruck.
- Warm gemessen und abgelassen: Nach dem Abkühlen fehlen dann leicht 0,3 bar.
- Beladung ignoriert: Mit Dachbox und voller Besetzung gilt der höhere Wert, hinten im Fall 2,9 bar (42 psi).
- Mit 14 statt 14,5 umgerechnet: Bei 2,9 bar ergibt das 40,6 statt 42,1 psi – knapp 1,5 psi zu wenig.
13. Häufige Fragen
Wie viel psi sind 2,5 bar? 36,3 psi.
Wie viel bar sind 35 psi? 2,41 bar.
Wie viel psi sind 2,2 bar? 31,9 psi, an der Pumpe also 32 psi.
Muss ich im Winter mehr Druck fahren? Der Sollwert bleibt gleich, aber er muss bei der aktuellen Temperatur eingestellt werden. Bei −5 °C fehlen sonst rund 0,28 bar gegenüber einer Füllung bei 20 °C.
Wie viel psi brauche ich beim Rennrad mit 7 bar? 102 psi. Den zulässigen Bereich nennt die Reifenflanke.
Was bedeuten 350 kPa auf dem Reifen? Das ist der Höchstdruck: 3,5 bar oder 51 psi. Gefahren wird mit dem Wert des Fahrzeugherstellers.
Zusammenfassung
| Punkt | Ergebnis |
|---|---|
| 1 bar | 14,5038 psi |
| 1 psi | 0,0689 bar |
| Vorne 2,3 bar | 33,4 psi |
| Hinten 2,1 bar | 30,5 psi |
| Druck bei −5 °C (befüllt bei 20 °C) | 2,02 bar |
Andere Werte, andere Einheit? Der bar-in-psi-Rechner rechnet mit dem exakten Faktor und zeigt gleichzeitig kPa, atm und weitere Druckeinheiten an.
Mit eigenen Werten rechnenbar in psi umrechnen: Druckrechner für bar, psi, kPa und mWS→Quellen und Normen
- NIST Special Publication 811 – Guide for the Use of the SI exakter Umrechnungsfaktor zwischen psi und Pascal
- BIPM – Das Internationale Einheitensystem (SI-Broschüre) Pascal als SI-Einheit, bar als zugelassene Nicht-SI-Einheit
- Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) Anforderungen an Bereifung und Mindestprofiltiefe
- Verordnung (EG) Nr. 661/2009 über die Typgenehmigung von Kraftfahrzeugen hinsichtlich ihrer allgemeinen Sicherheit Pflicht zu Reifendruckkontrollsystemen bei neuen Pkw
- bar-in-psi-Rechner von SizeBench dieselbe Umrechnung für beliebige Werte und Einheiten
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