Praxisbeispiel · Klima & Heizung

Wärmepumpe für 150 m²: Heizlast richtig abschätzen

Ein Einfamilienhaus aus den 1980er-Jahren, 150 m² Wohnfläche, neue Fenster und gedämmtes Dach. Der Gaskessel soll raus. Wir schätzen die Heizlast in drei Schritten und prüfen das Ergebnis mit dem bisherigen Verbrauch.

Wärmepumpe für 150 m²: Heizlast richtig abschätzen

Der Fall: Freistehendes Einfamilienhaus, Baujahr 1984, 150 m² beheizte Wohnfläche auf zwei Etagen. In den letzten Jahren kamen Wärmeschutzfenster und eine Dämmung der obersten Geschossdecke dazu, die Außenwände sind noch ungedämmt. Vier Personen, Warmwasser soll künftig ebenfalls die Wärmepumpe liefern. Bisheriger Gasverbrauch laut Abrechnung: rund 22.000 kWh im Jahr.

Kurze Antwort: Mit dem Ansatz für teilsanierte Häuser (85 W/m²) liegt die Heizlast bei 12,75 kW, mit Warmwasserzuschlag bei 13,75 kW. Daraus ergibt sich eine Wärmepumpe mit 14 kW Nennleistung. Die Gegenprobe über den Gasverbrauch ergibt 11,0 kW – ein Hinweis, dass die Faustformel hier eher großzügig rechnet.

Außengerät einer Luft-Wasser-Wärmepumpe auf einer Wiese vor einem Wohnhaus
Abbildung 1. Für 150 m² im teilsanierten Bestand landet die Rechnung bei einem Gerät der 14-kW-Klasse – ohne Sperrzeitzuschlag. Foto: alpha innotec / Unsplash

1. Schritt eins: spezifische Heizlast nach Gebäudezustand

Die Heizlast ist die Wärmeleistung, die ein Haus am kältesten Auslegungstag braucht, um innen auf Normtemperatur zu bleiben. Für einen ersten Überschlag multipliziert man die Wohnfläche mit einem Erfahrungswert in Watt pro Quadratmeter. Der Wert hängt fast nur vom energetischen Zustand der Hülle ab:

Gebäudezustand Ansatz Heizlast 150 m² inkl. Warmwasser Wärmepumpe
Altbau, unsaniert 135 W/m² 20,25 kW 21,25 kW 22 kW
Teilsaniert (Fall) 85 W/m² 12,75 kW 13,75 kW 14 kW
Neubau (GEG) 50 W/m² 7,50 kW 8,50 kW 9 kW
Passivhaus 12 W/m² 1,80 kW 2,80 kW 3 kW

Unser Haus mit neuen Fenstern und gedämmter Decke, aber ungedämmten Wänden fällt in die Gruppe „teilsaniert“:

150 m² × 85 W/m² = 12,75 kW

Die Spanne zwischen den Zeilen zeigt, warum die Einordnung so wichtig ist. Derselbe Grundriss braucht unsaniert mehr als das Zehnfache eines Passivhauses. Wer zwischen zwei Gruppen schwankt, rechnet beide durch und schaut sich danach den tatsächlichen Verbrauch an (Abschnitt 3).

Altbau, unsaniert20,2 kWTeilsaniert12,8 kWNeubau (GEG)7,5 kWPassivhaus1,8 kW
Abbildung 2. Heizlast für 150 m² nach Gebäudezustand, ohne Warmwasser.

2. Schritt zwei: Zuschlag für Warmwasser

Wenn die Wärmepumpe auch das Trinkwasser erwärmt, braucht sie dafür zusätzliche Leistung. Der Rechner setzt pauschal 0,25 kW pro Person an:

4 Personen × 0,25 kW = 1,00 kW 12,75 kW + 1,00 kW = 13,75 kW

Wärmepumpen werden in Stufen angeboten. Die nächste Größe über 13,75 kW ist die 14-kW-Klasse. Achtung: Hersteller geben die Nennleistung bei unterschiedlichen Prüfbedingungen an. Entscheidend ist die Heizleistung bei Ihrer Norm-Außentemperatur, nicht der Wert bei mildem Wetter (siehe Abschnitt 6).

Wie sich die Heizlast mit der Wohnfläche verschiebt, zeigt die folgende Tabelle für den teilsanierten Zustand mit vier Personen:

Wohnfläche Heizlast inkl. Warmwasser Wärmepumpe
100 m² 9,50 kW 10 kW
120 m² 11,20 kW 12 kW
150 m² 13,75 kW 14 kW
180 m² 16,30 kW 17 kW
200 m² 18,00 kW 18 kW
081624324004080120160200Wohnfläche (m²)Heizlast (kW)150 m²AltbauTeilsaniertNeubau
Abbildung 3. Heizlast inklusive Warmwasser für vier Personen nach Wohnfläche und Gebäudezustand.

3. Gegenprobe über den bisherigen Verbrauch

Die Faustformel kennt Ihr Haus nicht. Der Gaszähler schon. Wer mehrere Jahresabrechnungen hat, kann die Heizlast daraus grob zurückrechnen. Dafür braucht man zwei Annahmen, die wir hier offenlegen:

  • Kesselnutzungsgrad 90 %: Nicht die gesamte Gasenergie landet als Wärme im Haus.
  • 1.800 Vollbenutzungsstunden pro Jahr: So viele Stunden müsste die Heizung mit voller Last laufen, um die Jahreswärme zu liefern. Der Wert ist eine Annahme für ein Einfamilienhaus in Deutschland; je nach Region und Nutzerverhalten liegt er höher oder niedriger.

22.000 kWh × 0,90 = 19.800 kWh Nutzwärme 19.800 kWh ÷ 1.800 h = 11,00 kW

Diese Zahl enthält bereits das Warmwasser, denn auch das lief bisher über den Gaskessel. Sie liegt mit 11,0 kW deutlich unter den 13,75 kW der Faustformel. Das ist typisch: Viele Haushalte heizen nicht jeden Raum auf 20 °C, und die Norm rechnet konservativ. Für die Gerätewahl heißt das, dass die 14-kW-Klasse eher an der oberen Grenze liegt. Eine raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 entscheidet, ob auch die 12-kW-Klasse reicht.

Mehrere Außengeräte von Wärmepumpen an einer hellen Hauswand
Abbildung 4. Kaskaden aus mehreren Geräten sind etwas für große Lasten. Ein Einfamilienhaus kommt in der Regel mit einem Außengerät aus. Foto: alpha innotec / Unsplash

4. Sperrzeiten und Leistungsbegrenzung

Wärmepumpen mit eigenem Zähler und günstigem Wärmepumpentarif sind beim Netzbetreiber als steuerbare Verbrauchseinrichtung angemeldet. Früher bedeutete das feste Sperrzeiten, in denen die Pumpe komplett abgeschaltet werden durfte. Für Anlagen, die nach den seit 2024 geltenden Regeln der Bundesnetzagentur angeschlossen werden, darf der Netzbetreiber die Leistung zeitweise begrenzen, aber nicht mehr ganz abschalten. Viele Altverträge laufen aber noch mit Sperrzeiten.

Fällt die Pumpe täglich für eine bestimmte Zeit aus, muss sie die fehlende Wärme in den restlichen Stunden nachliefern. Der Zuschlag ergibt sich aus dem Verhältnis der Stunden:

Sperrzeit pro Tag Rechnung Benötigte Leistung
keine – 13,75 kW
2 h 13,75 × 24 ÷ 22 15,00 kW
6 h 13,75 × 24 ÷ 18 18,33 kW

Bei 2 Stunden Sperrzeit springt der Fall mit 15,00 kW in die 16-kW-Klasse. In der Praxis puffert die Gebäudemasse kurze Sperrzeiten zum Teil ab; Fachbetriebe setzen den Zuschlag deshalb oft geringer an als die reine Rechnung. Klären Sie vor der Auslegung mit dem Netzbetreiber, welche Regel für Ihren Anschluss gilt.

Faustformel13,8 kWVerbrauch11,0 kW+ 2 h Sperre15,0 kW+ 6 h Sperre18,3 kW
Abbildung 5. Benötigte Wärmepumpenleistung im Fall nach Methode und Sperrzeit.

5. Warum zu groß genauso schlecht ist wie zu klein

Eine zu kleine Wärmepumpe schafft die kältesten Tage nur mit dem eingebauten Heizstab, der Strom eins zu eins in Wärme umwandelt. Das ist bei wenigen Stunden im Jahr unproblematisch. Eine deutlich zu große Pumpe dagegen läuft in der Übergangszeit ständig im Takt: einschalten, kurz heizen, abschalten. Das kostet Effizienz und verkürzt die Lebensdauer des Verdichters.

Moderne Inverter-Geräte modulieren ihre Leistung, aber nicht beliebig weit nach unten. Ein 14-kW-Gerät, das im Frühling nur 3 kW liefern soll, kommt dabei oft an seine Untergrenze. Deshalb ist die Gegenprobe über den Verbrauch so wertvoll: Sie bremst die Tendenz, „sicherheitshalber“ eine Stufe größer zu kaufen.

Ein zweiter Punkt ist die Norm-Außentemperatur. Die Heizlast nach DIN EN 12831 bezieht sich auf einen kalten Auslegungstag, dessen Temperatur vom Standort abhängt: An der Küste ist sie milder als im Mittelgebirge oder im Alpenvorland. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe verliert mit sinkender Außentemperatur Leistung. Der Punkt, an dem ihre Leistung genau der Heizlast entspricht, heißt Bivalenzpunkt. Darunter hilft der Heizstab. Liegt dieser Punkt nur wenige Grad über der Norm-Außentemperatur, betrifft das nur wenige Stunden im Jahr und ist energetisch kaum relevant.

Zur Einordnung der Stromaufnahme: Mit einer angenommenen Leistungszahl von 3,5 am Auslegungspunkt braucht eine Pumpe, die 13,75 kW Wärme liefert, etwa 3,93 kW elektrische Leistung.

6. Datenblatt und Typenschild richtig lesen

  • Heizleistung bei A-7/W35 oder A-10/W35: Luft −7 °C bzw. −10 °C, Vorlauf 35 °C. Dieser Wert muss zur Heizlast passen, nicht die Leistung bei A7/W35.
  • Vorlauftemperatur: Heizkörper im Altbau brauchen oft 50 bis 55 °C. Bei höherem Vorlauf sinken Leistung und Effizienz. Das Datenblatt nennt Werte für W35 und W55.
  • SCOP: Die jahreszeitbezogene Leistungszahl, wichtig für den Stromverbrauch über die Saison.
  • Modulationsbereich: Minimal- und Maximalleistung des Verdichters. Je tiefer die Untergrenze, desto ruhiger läuft die Pumpe in der Übergangszeit.
  • Schallleistungspegel des Außengeräts: Entscheidend für den Aufstellort und den Abstand zum Nachbarn.

7. Checkliste vor dem Angebot

  1. Verbrauch aus drei Jahren sammeln: Gas- oder Ölmengen, möglichst mit Warmwasseranteil.
  2. Sanierungsstand dokumentieren: Fenster, Dach, Wände, Kellerdecke – mit Jahr der Maßnahme.
  3. Heizkörper prüfen: Reicht die Fläche für einen Vorlauf von 55 °C oder weniger? Einzelne Räume lassen sich oft mit größeren Heizkörpern nachrüsten.
  4. Heizlastberechnung beauftragen: Für die Förderung und eine saubere Auslegung ist eine raumweise Berechnung nach DIN EN 12831 der Standard.
  5. Hydraulischen Abgleich einplanen: Ohne ihn bekommen einzelne Räume zu wenig Wärme, und die Pumpe läuft mit zu hohem Vorlauf.
  6. Netzbetreiber anfragen: Tarif, Steuerbarkeit, eventuelle Sperrzeiten.
  7. Aufstellort festlegen: Abstand zur Grundstücksgrenze, Schallausbreitung, Kondensatablauf.

8. Häufige Fehler

  • Heizlast aus der alten Kesselleistung abgeleitet: Gaskessel wurden häufig stark überdimensioniert. Ein 24-kW-Kessel im Keller sagt nichts über die tatsächliche Heizlast.
  • Nennleistung bei mildem Wetter verglichen: Die Werbezahl gilt oft bei +7 °C. Bei −10 °C liefert dasselbe Gerät deutlich weniger.
  • Warmwasser vergessen: Im Fall macht der Zuschlag 1,00 kW aus. Die Geräteklasse bleibt zwar bei 14 kW, doch die Reserve schrumpft von 1,25 auf 0,25 kW. Bei 100 m² kippt derselbe Zuschlag die Wahl bereits von 9 auf 10 kW.
  • Sperrzeiten doppelt berücksichtigt: Wer sowohl großzügig mit W/m² rechnet als auch den vollen Sperrzeitzuschlag addiert, kauft schnell zwei Stufen zu groß.
  • Dämmmaßnahmen nach dem Einbau: Wer in zwei Jahren die Fassade dämmen will, sollte die Pumpe auf den künftigen Zustand auslegen. Mit 50 bis 85 W/m² liegt die Spanne für den Fall zwischen 8,50 und 13,75 kW.

9. Häufige Fragen

Reichen 10 kW für 150 m²? Im teilsanierten Zustand nach Faustformel nicht: Es fehlen 3,75 kW. Die Verbrauchsmethode mit 11,00 kW spricht dagegen für eine Chance auf 12 kW. Hier lohnt die genaue Berechnung besonders.

Wie viel W/m² hat ein Haus aus den 1980ern? Unsaniert liegt der Ansatz bei 135 W/m², nach Fenstertausch und Dachdämmung bei etwa 85 W/m². Für 150 m² sind das 20,25 bzw. 12,75 kW.

Wie viel Strom zieht die Wärmepumpe am kältesten Tag? Mit einer angenommenen Leistungszahl von 3,5 etwa 3,93 kW bei voller Heizleistung. An milden Tagen deutlich weniger.

Brauche ich bei 6 Stunden Sperrzeit wirklich 18,3 kW? Rechnerisch ja, praktisch puffern Estrich, Wände und ein Pufferspeicher einen Teil ab. Fragen Sie zuerst beim Netzbetreiber nach, ob für Neuanlagen überhaupt noch Sperrzeiten gelten.

Was ändert sich nach einer Fassadendämmung? Mit dem Neubau-Ansatz von 50 W/m² sinkt die Heizlast inklusive Warmwasser auf 8,50 kW, die passende Größe wäre dann 9 kW.

Zusammenfassung

Punkt Ergebnis
Ansatz teilsaniert 85 W/m²
Heizlast 150 m² 12,75 kW
Zuschlag Warmwasser (4 Personen) 1,00 kW
Empfohlene Wärmepumpe 14 kW
Gegenprobe über Gasverbrauch 11,00 kW
Mit 2 h Sperrzeit 15,00 kW

Andere Fläche, anderer Sanierungsstand oder mehr Personen im Haushalt? Der Heizlast-Rechner rechnet mit denselben Ansätzen – tragen Sie Ihre Werte ein und vergleichen Sie das Ergebnis mit Ihrem Verbrauch.

Mit eigenen Werten rechnenHeizlast-Rechner: Welche Wärmepumpe brauche ich?→

Quellen und Normen

  1. Gebäudeenergiegesetz (GEG) Anforderungen an neue Heizungen und den Einsatz erneuerbarer Energien
  2. DIN EN 12831 – Verfahren zur Berechnung der Norm-Heizlast raumweise Heizlastberechnung als Grundlage der Auslegung
  3. KfW – Bundesförderung für effiziente Gebäude (Heizungsförderung) Fördervoraussetzungen beim Heizungstausch
  4. Bundesnetzagentur – steuerbare Verbrauchseinrichtungen Leistungsbegrenzung durch den Netzbetreiber statt pauschaler Abschaltung
  5. Heizlast-Rechner von SizeBench dieselbe Überschlagsrechnung mit Ihren Werten

So ist dieser Ratgeber entstanden

Jede Zahl in diesem Ratgeber berechnet derselbe Code wie unsere Rechner, auf Grundlage der oben genannten Normen, und die Seite wird vor der Veröffentlichung getestet. Das SizeBench-Team hat recherchiert, geschrieben und geprüft; Automatisierung und KI helfen beim Formulieren, nie bei den Zahlen. Unsere Methodik →

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