Der Fall: Wallbox mit 22 kW, dreiphasig an 400 V. Die Leitung NYM-J läuft 30 m vom Zählerschrank durch den Keller in die Garage, überwiegend auf der Wand, auf einem Teilstück im Rohr. Ladestrom: 32 A je Außenleiter, über Stunden.
Kurze Antwort: Der Betriebsstrom liegt bei 31,8 A je Phase. Nach Strombelastbarkeit und Spannungsfall genügt NYM-J 5×6 mm² an einem LS B32 (Spannungsfall 1,56 %). Liegt die Leitung aber auf längerer Strecke mit anderen belasteten Leitungen gebündelt oder in warmer Umgebung, ist 5×10 mm² die sichere Wahl. Dazu kommen FI-Schutz mit DC-Fehlerstromerkennung und die Zustimmung des Netzbetreibers.
1. Strom je Phase
Eine 22-kW-Wallbox verteilt die Leistung auf drei Außenleiter:
I = P ÷ (√3 × U) = 22.000 W ÷ (1,732 × 400 V) = 31,8 A
Gerundet sind das die 32 A, die auf dem Typenschild stehen. Wichtig ist das Wort „Dauerstrom“: Ein Durchlauferhitzer zieht 32 A für ein paar Minuten, eine Wallbox drei, vier oder sechs Stunden lang. Leitung, Klemmen und Schutzorgan müssen das dauerhaft aushalten, ohne zu warm zu werden.
2. Absicherung und Strombelastbarkeit
Der Leitungsschutzschalter muss mindestens so groß sein wie der Betriebsstrom und darf nicht größer sein als das, was die Leitung dauerhaft tragen kann:
I_B ≤ I_n ≤ I_z → 31,8 A ≤ 32 A ≤ I_z
Nach DIN VDE 0298-4 trägt eine Mantelleitung mit drei belasteten Adern in Verlegeart B1 (im Rohr auf der Wand) bei 30 °C Umgebungstemperatur:
| Querschnitt | I_z (B1, 3 belastete Adern) | mit Häufungsfaktor 0,80 | reicht für B32? |
|---|---|---|---|
| 4 mm² | 28 A | 22,4 A | nein |
| 6 mm² | 36 A | 28,8 A | ohne Häufung ja, mit Häufung nein |
| 10 mm² | 50 A | 40,0 A | ja |
Ohne Bündelung und bei normaler Temperatur reicht 6 mm² also mit 4 A Reserve. Die Reserve ist knapp: Schon wenn die Leitung über mehrere Meter mit einer zweiten belasteten Leitung zusammen in einem Kabelkanal liegt, sinkt die Belastbarkeit. Wir haben beispielhaft einen Faktor von 0,80 angesetzt; der genaue Wert hängt von Anzahl und Anordnung der Leitungen ab. Ähnlich wirkt eine hohe Umgebungstemperatur, etwa im Dachboden oder neben der Heizung: Bei 40 °C statt 30 °C reduziert sich die Belastbarkeit um rund 13 %, dann trägt 6 mm² nur noch 31,3 A.
3. Spannungsfall nach Leitungslänge
Für Drehstrom gilt: Δu = √3 × I × L × ρ ÷ S, mit ρ = 0,0225 Ω·mm²/m für Kupfer bei Betriebstemperatur. DIN VDE 0100-520 empfiehlt für Verbraucherstromkreise höchstens 3 %, bezogen auf 400 V also 12 V.
| Länge | Querschnitt nach Rechner | Spannungsfall | Bei 6 mm² | Bei 10 mm² |
|---|---|---|---|---|
| 10 m | 6 mm² | 0,52 % | 0,52 % | 0,31 % |
| 20 m | 6 mm² | 1,04 % | 1,04 % | 0,62 % |
| 30 m | 6 mm² | 1,56 % | 1,56 % | 0,94 % |
| 40 m | 6 mm² | 2,08 % | 2,08 % | 1,25 % |
| 50 m | 6 mm² | 2,60 % | 2,60 % | 1,56 % |
| 60 m | 10 mm² | 1,87 % | 3,12 % | 1,87 % |
| 80 m | 10 mm² | 2,49 % | 4,16 % | 2,49 % |
Mit 6 mm² bleibt der Spannungsfall bis etwa 58 m unter 3 %, mit 10 mm² bis etwa 96 m. Bei 30 m ist der Spannungsfall also kein Thema; dimensionierend ist hier allein die Strombelastbarkeit.
4. Was 10 mm² zusätzlich bringt
Neben der Reserve bei Häufung und Wärme spart der größere Querschnitt Leitungsverluste. Die Verlustleistung in der Leitung beträgt bei voller Ladeleistung:
- 6 mm²: 3 × 32² × 0,0225 × 30 ÷ 6 ≈ 346 W
- 10 mm²: ≈ 207 W
Über eine Ladung von 2,3 Stunden ist der Unterschied klein. Gewichtiger ist, dass die Leitung kühler bleibt und die Klemmen weniger thermisch belastet werden. Wer ohnehin Wände öffnet oder einen Kanal verlegt, fährt mit 10 mm² auf der sicheren Seite. Achten Sie aber darauf, dass die Anschlussklemmen der Wallbox diesen Querschnitt aufnehmen; viele Geräte sind bis 10 mm², manche nur bis 6 mm² ausgelegt.
Steht die Wallbox nicht in der Garage, sondern am Carport oder an einem Stellplatz im Hof, führt der letzte Abschnitt meist durch das Erdreich. Dort kommt statt NYM-J ein Erdkabel wie NYY-J zum Einsatz, verlegt in ausreichender Tiefe im Sandbett oder im Schutzrohr, mit Trassenwarnband darüber. Für erdverlegte Kabel gelten eigene Belastbarkeitswerte und, bei mehreren Kabeln im Graben, eigene Häufungsfaktoren. Im Erdreich kann ein Kabel Wärme oft besser abgeben als in einem gedämmten Hohlraum; ein trockener, sandiger Boden im Hochsommer leitet die Wärme dagegen schlecht ab. Lassen Sie die Elektrofachkraft den Querschnitt für diesen Abschnitt getrennt prüfen; der größere Wert gilt für die ganze Leitung.
5. FI-Schutz und weitere Schutzmaßnahmen
DIN VDE 0100-722 verlangt für jeden Ladepunkt:
- Eigenen Endstromkreis – an der Zuleitung der Wallbox hängt nichts anderes.
- Eigenen Fehlerstromschutz mit 30 mA. Weil Fahrzeuge glatte Gleichfehlerströme erzeugen können, braucht es entweder einen FI Typ B oder einen Typ A bzw. A-EV in Kombination mit einer DC-Fehlerstromerkennung (6 mA) in der Wallbox. Welche Variante passt, steht in der Installationsanleitung des Geräts.
- Überspannungsschutz nach den Vorgaben der Installation, häufig ohnehin im Zählerschrank vorhanden.
Ein vorgeschalteter FI Typ A für das ganze Haus kann durch Gleichfehlerströme „geblendet“ werden. Deshalb darf ein Typ-B-FI nicht hinter einem Typ-A-FI sitzen; das ist einer der häufigsten Planungsfehler.
6. Netzbetreiber und Hausanschluss
Ladeeinrichtungen sind nach der Niederspannungsanschlussverordnung beim Netzbetreiber anzumelden. Über 12 kVA Bemessungsleistung ist zusätzlich seine Zustimmung nötig, und 22 kW liegen klar darüber. Der Netzbetreiber prüft, ob der Hausanschluss und das Netz in der Straße die Last tragen. Planen Sie dafür Vorlauf ein und bestellen Sie die Wallbox erst nach der Zusage.
Zusätzlich gelten Wallboxen über 4,2 kW als steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG. Der Netzbetreiber darf die Leistung in Engpässen zeitweise reduzieren; die Wallbox muss dafür ansteuerbar sein.
Im Haus selbst lohnt ein Blick auf die Summe: 32 A je Phase für die Wallbox, dazu Durchlauferhitzer, Herd und Wärmepumpe. Ein Lastmanagement in der Wallbox, das den Ladestrom an die freie Kapazität des Hausanschlusses anpasst, verhindert, dass die Hauptsicherung auslöst.
7. Braucht es wirklich 22 kW?
Ob 22 kW überhaupt genutzt werden, entscheidet das Auto. Viele E-Autos laden AC nur mit 11 kW; dann bringt eine 22-kW-Wallbox keinen Zeitgewinn. Für einen Akku mit 77 kWh von 20 auf 80 %:
Zum Vergleich: Eine 11-kW-Wallbox am selben Ort käme mit 5×2,5 mm² an B16 aus und braucht keine Zustimmung, nur eine Anmeldung. Wer heute ein 11-kW-Auto fährt, kann trotzdem die Leitung für 22 kW verlegen und die Wallbox zunächst auf 11 kW begrenzen.
8. Typenschild und Anleitung lesen
- Bemessungsstrom und -leistung: 32 A, 22 kW, 3~ 400 V.
- Zulässige Anschlussquerschnitte: wichtig, wenn Sie 10 mm² planen.
- Integrierte DC-Fehlerstromerkennung: entscheidet über FI Typ A-EV oder Typ B.
- Einstellbarer Maximalstrom: zur Begrenzung auf 16 A oder für Lastmanagement.
- Schutzart: für Carport oder Außenwand mindestens IP54 nach Herstellerangabe.
9. Abnahme-Checkliste
- Zustimmung des Netzbetreibers liegt schriftlich vor.
- Eigener Stromkreis mit B32, Querschnitt nach Verlegeart und Häufung bestimmt.
- FI-Schutz passend zur Wallbox, nicht hinter einem anderen FI mit ungeeignetem Typ.
- Drehfeld geprüft, Klemmen mit dem vorgeschriebenen Drehmoment angezogen.
- Messprotokoll: Isolationswiderstand, Schleifenimpedanz, Auslösezeit des FI.
- Probeladung mit voller Leistung und anschließende Temperaturkontrolle an Klemmen und Verteiler.
10. Woran Sie ein Problem erkennen
- Die Wallbox reduziert bei warmem Wetter selbstständig den Ladestrom.
- Am LS-Schalter oder an den Klemmen im Verteiler riecht es nach erhitztem Kunststoff.
- Die Ladeleistung schwankt, obwohl das Auto 22 kW kann.
- Der FI löst gelegentlich beim Ladestart aus.
11. Häufige Fehler
- Querschnitt nur nach Spannungsfall wählen. Bei 30 m ist die Belastbarkeit entscheidend, nicht der Spannungsfall.
- Häufung ignorieren. Zwei Wallbox-Leitungen im selben Kanal sind ein typischer Fall dafür.
- Ohne Zustimmung anschließen. Über 12 kVA ist sie Pflicht.
- 22 kW für ein 11-kW-Auto kaufen und nicht begrenzen. Das bringt nichts und belastet den Hausanschluss unnötig.
Häufige Fragen
Welcher Querschnitt für 22 kW bei 30 m? Rechnerisch 5×6 mm² mit B32 und 1,56 % Spannungsfall. Bei Häufung oder Wärme 5×10 mm².
Wie weit darf die Wallbox mit 6 mm² entfernt sein? Nach Spannungsfall bis etwa 58 m. Die Belastbarkeit muss unabhängig davon passen.
Reicht 4 mm²? Nein. In Verlegeart B1 trägt 4 mm² nur 28 A und damit weniger als die 32 A des Schutzorgans.
Brauche ich eine Genehmigung? Ja. Über 12 kVA verlangt die NAV die Zustimmung des Netzbetreibers, bei 11 kW reicht die Anmeldung.
Darf ich die Wallbox selbst anschließen? Nein. Arbeiten an der Anlage hinter dem Hausanschluss, die ans Netz gehen, darf nur ein Elektrofachbetrieb ausführen, der in einem Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragen ist. Er übernimmt auch Anmeldung, Messprotokoll und Inbetriebnahme.
Lädt mein Auto mit 22 kW schneller? Nur mit 22-kW-Bordlader: dann 2,3 statt 4,7 Stunden für 20 → 80 % bei 77 kWh.
Zusammenfassung
| Punkt | Ergebnis |
|---|---|
| Strom je Phase | 31,8 A, Schutzorgan B32 |
| Querschnitt 30 m | 5×6 mm², bei Häufung/Wärme 5×10 mm² |
| Spannungsfall 30 m | 1,56 % (6 mm²) |
| Max. Länge 6 / 10 mm² | ≈ 58 m / ≈ 96 m (3 %) |
| FI-Schutz | Typ B oder Typ A-EV mit 6-mA-DC-Erkennung |
| Netzbetreiber | Zustimmung erforderlich (über 12 kVA) |
Andere Länge, andere Verlegeart oder 11 statt 22 kW? Geben Sie Ihre Werte in den Kabelquerschnitt-Rechner ein, er rechnet mit derselben Methode.
Mit eigenen Werten rechnenKabelquerschnitt-Rechner→Quellen und Normen
- DIN VDE 0100-722 – Stromversorgung von Elektrofahrzeugen eigener Stromkreis, FI-Schutz und DC-Fehlerstromerkennung je Ladepunkt
- DIN VDE 0298-4 – Strombelastbarkeit von Kabeln und Leitungen Belastbarkeit für Verlegeart B1 und Reduktionsfaktoren bei Häufung
- DIN VDE 0100-520 – Kabel- und Leitungsanlagen Empfehlung zum Spannungsfall
- Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) § 19 Zustimmungspflicht für Ladeeinrichtungen über 12 kVA
- Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) § 14a Regeln für steuerbare Verbrauchseinrichtungen
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