Der Fall: Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Jugendlichen in einem Reihenhaus. Ein Bad mit Dusche, kein Zweitbad. Werktags duschen alle vier zwischen 6:30 und 7:30 Uhr, jeweils etwa 7 Minuten. Die Brause liefert 9 Liter pro Minute, das Kaltwasser kommt mit rund 10 °C ins Haus. Der Speicher hält 60 °C.
Kurze Antwort: In der Spitzenstunde werden 151 Liter Speicherwasser gebraucht. Das liegt knapp über der 150-Liter-Klasse, deshalb empfiehlt die Rechnung einen Speicher mit 200 Litern. Mit einer Sparbrause (7 l/min) sinkt der Bedarf auf 118 Liter, dann reichen 120 Liter.
1. Warum die Spitzenstunde zählt
Ein Speicher muss nicht den Tagesbedarf fassen. Er muss die Zeit überbrücken, in der viel mehr warmes Wasser gezapft wird, als der Wärmeerzeuger nachheizen kann. In einem Familienhaushalt ist das fast immer die Duschstunde am Morgen. Abends verteilt sich der Verbrauch über mehrere Stunden, tagsüber ist er gering.
Deshalb fragt der Rechner nicht nach Personen im Haushalt, sondern nach Duschen in der Spitzenstunde. Im Fall sind das alle vier.
2. Mischwasser: Wie viel davon kommt aus dem Speicher?
Niemand duscht mit 60 °C. An der Armatur wird heißes Speicherwasser mit kaltem Leitungswasser auf etwa 40 °C gemischt. Nur ein Teil des Duschwassers stammt also aus dem Speicher:
(40 − 10) ÷ (60 − 10) = 0,60
60 % des Duschwassers sind Speicherwasser, der Rest ist kaltes Wasser. Dieser Anteil hängt von der Kaltwassertemperatur ab: Im Spätsommer ist das Leitungswasser wärmer, dann braucht es weniger Speicherwasser.
3. Die Rechnung für vier Duschen
4 Duschen × 9 l/min × 7 min × 0,60 = 151,2 Liter
Speicher gibt es in festen Größen. Gängig sind 80, 100, 120, 150, 200 und 300 Liter. Gewählt wird die erste Größe, die den Bedarf deckt: 200 Liter.
Dass der Fall knapp über 150 Litern landet, ist typisch. An dieser Grenze entscheidet die Brause: Mit 9 l/min reicht der 150-Liter-Speicher rechnerisch nicht, mit einem Durchfluss von 7 l/min schon. Wer ohnehin eine neue Armatur plant, sollte das vor der Speicherwahl klären.
| Duschen in der Spitzenstunde | Bedarf | Speichergröße |
|---|---|---|
| 2 | 76 l | 80 l |
| 3 | 113 l | 120 l |
| 4 (Fall) | 151 l | 200 l |
| 5 | 189 l | 200 l |
| 6 | 227 l | 300 l |
4. Was den Bedarf verschiebt
Die Rechnung reagiert empfindlich auf jede einzelne Annahme. Für die Familie im Fall ergeben sich diese Varianten:
| Variante | Bedarf | Speicher |
|---|---|---|
| Fall: 4 × 9 l/min × 7 min, Kaltwasser 10 °C | 151 l | 200 l |
| Sparbrause 7 l/min | 118 l | 120 l |
| Regendusche 12 l/min | 202 l | 300 l |
| 10 statt 7 Minuten duschen | 216 l | 300 l |
| Kaltwasser 15 °C (Spätsommer) | 140 l | 150 l |
| Nur 2 Duschen in der Spitzenstunde | 76 l | 80 l |
Die Regendusche ist die teuerste Variante, gefolgt von langen Duschzeiten. Beides lässt sich nicht mit einem etwas größeren Speicher auffangen, sondern verlangt gleich eine ganze Stufe mehr.
5. Und die Badewanne?
Der Rechner arbeitet mit Duschen. Eine Wanne lässt sich aber mit derselben Mischformel einordnen. Nehmen wir 140 Liter Badewasser mit 40 °C an:
140 l × 0,60 = 84 Liter Speicherwasser
Eine Dusche im Fall braucht 38 Liter Speicherwasser, ein Vollbad entspricht damit gut zwei Duschen. Wer abends badet, während morgens alle duschen, braucht dafür keinen größeren Speicher, solange der Wärmeerzeuger zwischen beiden Zeiten nachheizen kann.
6. Speicher an der Wärmepumpe: 55 statt 60 °C
Wärmepumpen arbeiten effizienter, je niedriger die Temperatur ist, auf die sie das Wasser erwärmen. Viele Anlagen laufen deshalb im Alltag mit 50 bis 55 °C und heizen nur zeitweise höher. Bei 55 °C steigt der Anteil des Speicherwassers am Mischwasser:
(40 − 10) ÷ (55 − 10) = 0,67
Für den Fall heißt das: 168 Liter statt 151 Liter, also weiterhin die 200-Liter-Klasse. Wie stark die Speichertemperatur wirkt, zeigt die Grafik:
Bei 50 °C wären es bereits 189 Liter und damit die 200-Liter-Klasse. Hersteller von Wärmepumpenspeichern geben deshalb oft größere Volumina für dieselbe Personenzahl an als bei Gas- oder Ölkesseln.
Zum Legionellenschutz: Das DVGW-Arbeitsblatt W 551 unterscheidet Klein- und Großanlagen. Speicher in Ein- und Zweifamilienhäusern gelten in der Regel als Kleinanlagen; dort wird empfohlen, den Speicher mit 60 °C zu betreiben. Wer dauerhaft niedriger fährt, sollte das mit dem Fachbetrieb besprechen und regelmäßig auf höhere Temperaturen aufheizen lassen.
7. Was das Nachheizen während der Duschstunde bringt
Die Rechnung geht davon aus, dass der Speicher den gesamten Bedarf der Spitzenstunde allein liefert. In Wirklichkeit heizt der Wärmeerzeuger nach, sobald die Temperatur im Speicher sinkt. Wie viel Wasser er pro Stunde von 10 auf 60 °C bringt, hängt von seiner Ladeleistung ab:
| Ladeleistung (Annahme) | Nachgeheiztes Wasser pro Stunde |
|---|---|
| 3 kW (Heizstab) | 52 l |
| 6 kW (kleine Wärmepumpe) | 103 l |
| 15 kW (Gas-Brennwertkessel) | 258 l |
Ein Gaskessel holt also innerhalb einer Stunde mehr nach, als der Speicher fasst. Trotzdem verlässt man sich bei der Auslegung nicht darauf: Der Kessel startet erst, wenn der Fühler eine Absenkung meldet, und die oberen, nutzbaren Schichten kühlen schneller ab als der Mittelwert. Bei einer Wärmepumpe mit kleiner Ladeleistung ist der Beitrag ohnehin bescheiden. Die Rechnung ohne Nachheizung ist deshalb bewusst die vorsichtige Variante.
8. Alternative: Durchlauferhitzer statt Speicher
Wer keinen Speicher will, braucht ausreichend elektrische Leistung, um das Wasser während des Duschens zu erwärmen. Für eine Dusche mit 9 l/min von 10 auf 40 °C rechnet der Rechner:
9 l/min × 30 K × 4,186 ÷ 60 = 18,8 kW
Das passt zu einem Durchlauferhitzer der 21-kW-Klasse. Geräte dieser Größe brauchen einen Drehstromanschluss mit 400 V. Zwei Duschen gleichzeitig schafft ein einzelner Durchlauferhitzer nicht – genau dann hat der Speicher seinen Vorteil.
9. Typenschild und Datenblatt des Speichers
- Nenninhalt in Litern: Das Volumen, mit dem die Rechnung verglichen wird.
- Leistungskennzahl NL: Kennwert nach DIN 4708, der angibt, wie viele genormte Einheitswohnungen ein Speicher mit einem bestimmten Wärmeerzeuger versorgen kann. Für Familien mit hohem Duschbedarf hilfreich beim Vergleich.
- Dauerleistung: Wie viel Wasser pro Stunde der Speicher mit angeschlossenem Kessel oder Wärmepumpe nachliefern kann.
- Bereitschaftsverlust: Wärmeverlust pro Tag im Ruhezustand. Ein größerer Speicher verliert mehr.
- Max. Betriebsdruck und Temperatur: Wichtig für Sicherheitsventil und Einstellung.
10. Checkliste vor dem Kauf
- Duschgewohnheiten erfassen: Wer duscht wann und wie lange?
- Durchfluss messen: Eimer mit Literskala unter die Brause, eine Minute laufen lassen.
- Kaltwassertemperatur prüfen: Im Winter ist sie am niedrigsten – dieser Wert ist maßgeblich.
- Wärmeerzeuger berücksichtigen: Bei Wärmepumpen eher eine Stufe größer planen.
- Aufstellort und Gewicht prüfen: Ein gefüllter 200-Liter-Speicher wiegt deutlich über 200 kg.
- Leitungen dämmen: Kurze, gedämmte Wege zum Bad sparen Energie und Wartezeit.
- Zirkulation prüfen: Eine Zirkulationsleitung sorgt für sofort warmes Wasser, erhöht aber die Wärmeverluste. Eine Zeitschaltung auf die Morgen- und Abendstunden ist ein guter Kompromiss.
- Warmwasseranschluss der Waschmaschine bedenken: Wenn morgens zusätzlich warmes Wasser in die Maschine läuft, gehört dieser Bedarf in die Spitzenstunde.
11. Häufige Fehler
- Nach Personen statt nach Spitzenstunde gewählt: Ein Paar, das zeitgleich duscht, braucht mehr Speicher als vier Personen, die sich über den Tag verteilen.
- Regendusche nachgerüstet: Mit 12 l/min steigt der Bedarf im Fall auf 202 Liter – der alte Speicher reicht dann nicht mehr.
- Sommerwerte angenommen: Mit 15 °C Kaltwasser wirkt der Speicher größer, als er im Januar ist.
- Zu groß gekauft: Ein 300-Liter-Speicher für vier Personen verliert unnötig Wärme und wird seltener vollständig durchgeheizt.
12. Häufige Fragen
Reichen 150 Liter für 4 Personen? Wenn alle in einer Stunde mit 9 l/min duschen: knapp nicht, der Bedarf liegt bei 151 Litern. Mit Sparbrause (118 l) oder wenn nur zwei Personen morgens duschen (76 l), reichen sie.
Wie viel Warmwasser braucht eine Dusche? Bei 9 l/min und 7 Minuten fließen 63 Liter, davon 38 Liter aus dem 60-°C-Speicher.
Brauche ich mit Wärmepumpe einen größeren Speicher? Bei 55 °C Speichertemperatur steigt der Bedarf im Fall auf 168 Liter. Bei noch niedrigeren Temperaturen lohnt die nächste Stufe.
Wie viel Leistung bräuchte ein Durchlauferhitzer stattdessen? Für eine Dusche mit 9 l/min rund 18,8 kW, also ein Gerät der 21-kW-Klasse mit Drehstromanschluss.
Und wenn ein fünftes Familienmitglied dazukommt? Mit fünf Duschen in der Spitzenstunde liegt der Bedarf bei 189 Litern. Der 200-Liter-Speicher aus dem Fall reicht dann immer noch, die Reserve schrumpft aber auf 11 Liter. Bei sechs Duschen (227 l) wäre die 300-Liter-Klasse nötig – oder eine bessere Verteilung der Duschzeiten.
Was ändert ein Vollbad? Eine Wanne mit 140 Litern braucht etwa 84 Liter Speicherwasser – vergleichbar mit gut zwei Duschen.
Zusammenfassung
| Punkt | Ergebnis |
|---|---|
| Anteil Speicherwasser (60 → 40 °C) | 60 % |
| Bedarf Spitzenstunde (4 Duschen) | 151 l |
| Empfohlener Speicher | 200 l |
| Mit Sparbrause | 120 l |
| Bei 55 °C (Wärmepumpe) | 168 l → 200 l |
| Alternative Durchlauferhitzer | 21 kW |
Andere Brause, mehr Duschen oder wärmeres Kaltwasser? Der Warmwasser-Rechner rechnet mit derselben Mischformel – geben Sie Ihre Werte ein und vergleichen Sie Speicher und Durchlauferhitzer.
Mit eigenen Werten rechnenWarmwasserspeicher und Durchlauferhitzer berechnen→Quellen und Normen
- DVGW – Technische Regeln Wasser (Arbeitsblatt W 551, Trinkwassererwärmung und Legionellen) Speichertemperatur und Legionellenschutz in Kleinanlagen
- DIN 4708 – Zentrale Wassererwärmungsanlagen Bemessung über Bedarfskennzahl und Leistungskennzahl NL
- Umweltbundesamt – Trinkwasser Hinweise zur Trinkwasserhygiene in Hausinstallationen
- Gebäudeenergiegesetz (GEG) Anforderungen an Wärmeerzeuger und Dämmung von Leitungen
- Warmwasser-Rechner von SizeBench dieselbe Rechnung mit Ihren Werten
Normen und Daten hinter unseren Rechnern
So ist dieser Ratgeber entstanden
Jede Zahl in diesem Ratgeber berechnet derselbe Code wie unsere Rechner, auf Grundlage der oben genannten Normen, und die Seite wird vor der Veröffentlichung getestet. Das SizeBench-Team hat recherchiert, geschrieben und geprüft; Automatisierung und KI helfen beim Formulieren, nie bei den Zahlen. Unsere Methodik →
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