Der Fall: Kastenwagen mit einem 200-W-Modul flach auf dem Dach, MPPT-Laderegler, 12-V-Lithiumbatterie (LiFePO4) mit 100 Ah. An Bord: Kompressorkühlbox, LED-Licht, Wasserpumpe, Dachlüfter, ein Laptop und zwei Smartphones. Geplant sind Touren in Deutschland von April bis Oktober, ohne Landstrom.
Kurze Antwort: Der Tagesbedarf liegt bei rund 716 Wh. Das Modul liefert im Juni im Mittel 750 Wh, im April 540 Wh und im Oktober nur 240 Wh. Im Hochsommer reicht es knapp, im Frühjahr und Herbst nicht: Dann leert sich die Batterie um 176 bis 476 Wh pro Tag und ist nach 2,4 bis 6,5 Tagen leer. Für eine ausgeglichene Bilanz an Tagen mit 4 Sonnenstunden wären rund 239 W nötig, mit etwas Reserve also eher 300 W, oder ein sparsamerer Tag.
1. Der Tagesbedarf in Wattstunden
Jede Rechnung fürs Wohnmobil beginnt mit der Liste der Verbraucher. Leistung mal Laufzeit ergibt die Energie in Wattstunden (Wh). Die Laufzeiten sind unsere Annahmen für einen Sommertag:
| Verbraucher | Leistung | Laufzeit pro Tag | Energie |
|---|---|---|---|
| Kompressorkühlbox | 45 W | 8,4 h (Kompressor taktet) | 378 Wh |
| Laptop | 60 W | 2,0 h | 120 Wh |
| Dachlüfter | 20 W | 4,0 h | 80 Wh |
| LED-Licht | 15 W | 4,0 h | 60 Wh |
| Handy, Tablet | 30 W | 2,0 h | 60 Wh |
| Wasserpumpe | 60 W | 0,3 h | 18 Wh |
| Summe | 716 Wh |
Die Kühlbox ist der größte Posten. Ihr Kompressor läuft im Hochsommer deutlich öfter als im Frühjahr; an heißen Tagen kann sie leicht noch mehr brauchen. In Amperestunden bei 12,8 V sind die 716 Wh übrigens 56 Ah.
2. Was 200 W auf dem Dach liefern
Die Formel des Rechners: Ertrag = Modulleistung × Sonnenstunden × Wirkungsgrad
Mit „Sonnenstunden“ sind Volllaststunden gemeint, also die Einstrahlung in kWh pro m² und Tag. Ein flach liegendes Modul bekommt in Deutschland im Juni im Mittel etwa 5, im Dezember nur rund 0,5 davon. Der Wirkungsgrad von 75 % fasst die Verluste zusammen, die auf dem Wohnmobil höher sind als auf dem Hausdach: flache Montage, Hitze unter dem Modul, Laderegler, Kabel und Batterie.
Für Juni: 200 W × 5,0 h × 0,75 = 750 Wh.
Flach montiert hat einen Vorteil: Die Ausrichtung des Fahrzeugs spielt kaum eine Rolle. Im Frühjahr und Herbst steht die Sonne aber tief, und ein flaches Modul fängt nur einen Teil des Lichts ein. Ein zusätzliches mobiles Modul, das am Stellplatz schräg zur Sonne aufgestellt wird, gleicht das teilweise aus und lässt sich auch dann in die Sonne stellen, wenn das Fahrzeug selbst im Schatten parkt.
3. Die Tagesbilanz Monat für Monat
| Monat | Sonnenstunden (Annahme) | Ertrag 200 W | Bilanz pro Tag | Batterie leer nach |
|---|---|---|---|---|
| Mär | 2,3 h | 345 Wh | −371 Wh | 3,1 Tagen |
| Apr | 3,6 h | 540 Wh | −176 Wh | 6,5 Tagen |
| Mai | 4,6 h | 690 Wh | −26 Wh | 44,3 Tagen |
| Jun | 5,0 h | 750 Wh | +34 Wh | ausgeglichen |
| Jul | 4,9 h | 735 Wh | +19 Wh | ausgeglichen |
| Aug | 4,1 h | 615 Wh | −101 Wh | 11,4 Tagen |
| Sep | 2,8 h | 420 Wh | −296 Wh | 3,9 Tagen |
| Okt | 1,6 h | 240 Wh | −476 Wh | 2,4 Tagen |
„Batterie leer nach“ heißt: Ausgehend von einer vollen Batterie mit 1.152 Wh nutzbarer Energie (90 % von 1.280 Wh) reicht der Vorrat so viele Tage, wenn jeder Tag dem Monatsmittel entspricht.
Die Monatsmittel verdecken die Streuung: Auf drei sonnige Tage mit 900 Wh folgt im Mai gern ein Regentag mit 150 Wh. Die Batterie puffert solche Schwankungen, aber nur, wenn die Bilanz über mehrere Tage aufgeht.
4. Was hilft: mehr Fläche, weniger Verbrauch, andere Quellen
Mehr Modulleistung. Für eine ausgeglichene Bilanz bei 4 Sonnenstunden, also etwa im Mai oder August, braucht es 716 ÷ (4 × 0,75) = 239 W. Für den Oktober wären es sogar 597 W, so viel passt auf kaum ein Kastenwagendach.
Sparsamer Tag. Ohne Laptop und Dachlüfter sinkt der Bedarf auf 516 Wh. Damit reicht 200 W von Mai bis August.
Ladebooster. Während der Fahrt lädt die Lichtmaschine über einen Ladebooster die Bordbatterie. Schon eine Stunde Fahrt mit 30 A Ladestrom bringt rund 384 Wh, mehr als ein trüber Tag auf dem Dach.
Standort. Weiter im Süden steigt der Ertrag deutlich. Ein Vergleich mit gerundeten Annahmen:
| Region und Monat | Sonnenstunden | Ertrag 200 W | Bilanz |
|---|---|---|---|
| Deutschland, Juni | 5,0 h | 750 Wh | +34 Wh |
| Deutschland, Sept. | 2,8 h | 420 Wh | −296 Wh |
| Südeuropa, Juni (Annahme) | 6,8 h | 1.020 Wh | +304 Wh |
| Südeuropa, Okt. (Annahme) | 3,8 h | 570 Wh | −146 Wh |
Die genauen Werte für einen Ort liefert PVGIS; für flach montierte Module wählen Sie dort 0° Neigung.
5. Schatten und Hitze
Ein Stellplatz unter Bäumen kann den Ertrag auf einen Bruchteil drücken. Rechnen wir mit 30 % des Normalwerts, bleiben im Juni nur 225 Wh, weniger als ein Drittel des Bedarfs. Wer auf Solar angewiesen ist, sucht sich einen offenen Platz und parkt so, dass Dachaufbauten wie Lüfter oder Klimaanlage keinen Schatten auf das Modul werfen.
Hitze kostet ebenfalls Leistung: Ein Modul, das flach auf einem dunklen Dach liegt, wird im Sommer sehr heiß. Ein paar Zentimeter Luftspalt unter dem Modul helfen.
6. Und im Winter?
Wintercamping verschiebt die Bilanz vollends. Die Kühlbox braucht bei Kälte wenig (angenommen 100 Wh), der Dachlüfter bleibt aus. Dafür kommen das Gebläse der Standheizung (30 W über 6 Stunden, 180 Wh), sieben Stunden Licht (105 Wh) und drei Stunden Laptop (180 Wh) dazu. Mit Handys und Pumpe landet ein Wintertag so bei grob 643 Wh. Das flache 200-W-Modul liefert im Dezember im Mittel aber nur 75 Wh, im Januar 90 Wh, und unter einer Schneedecke gar nichts.
Im Winter ist Solar auf dem Wohnmobil deshalb eine Ergänzung, keine Versorgung. Wer im Winter frei steht, plant mit Landstrom, Ladebooster und häufigeren Fahrten. Hinzu kommt, dass viele Lithiumbatterien unter 0 °C nicht geladen werden dürfen; eine Batterie im beheizten Innenraum oder mit eingebauter Heizung ist dann Voraussetzung.
7. Laderegler und Batterie
Der Laderegler muss den Modulstrom auf die Batterie bringen: 200 W ÷ 12 V ≈ 16,7 A, also ein MPPT-Regler mit 20 A. Ein MPPT-Regler holt besonders bei kühlem Wetter und schräg einfallendem Licht spürbar mehr heraus als ein einfacher PWM-Regler.
Die Batterie mit 1.280 Wh ist für 716 Wh Tagesbedarf gut gewählt: Sie überbrückt rund 1,6 Tage ohne jede Nachladung. Eine größere Batterie verlängert die Zeit bis zum Landstrom, ändert aber nichts an einer negativen Tagesbilanz.
8. Typenschilder richtig lesen
- Modul: Pmax 200 W gilt unter Laborbedingungen. Voc und Isc braucht der Laderegler; die Leerlaufspannung muss unter seiner maximalen PV-Spannung bleiben, auch bei Kälte.
- Laderegler: Nennstrom auf der Batterieseite, maximale PV-Spannung, Ladekennlinie für LiFePO4 einstellbar.
- Batterie: Nennspannung 12,8 V, Kapazität in Ah, zulässiger Lade- und Entladestrom, Ladetemperaturbereich. Viele Lithiumbatterien laden unter 0 °C nicht.
- Kühlbox: Leistungsaufnahme in W und, wenn angegeben, der Verbrauch in Wh oder Ah pro Tag bei bestimmter Außentemperatur.
9. Checkliste für autarkes Stehen
- Verbrauch einmal mit dem Batteriemonitor über 24 Stunden messen.
- Stellplatz ohne Schatten wählen, Fahrzeug nach Sonnenstand ausrichten.
- Modul sauber halten: Staub und Blütenpollen kosten Ertrag.
- Ladebooster nutzen, wenn ohnehin gefahren wird.
- Bei trübem Wetter große Verbraucher wie Laptop gezielt in die Mittagsstunden legen.
- Absicherung und Kabelquerschnitte nach den Vorgaben für Fahrzeugelektrik ausführen lassen.
10. Anzeichen, dass es nicht reicht
- Der Ladestand ist abends niedriger als am Vorabend, mehrere Tage hintereinander.
- Der Laderegler meldet schon mittags „Float“, obwohl die Batterie nicht voll ist: Einstellungen prüfen.
- Die Kühlbox schaltet wegen Unterspannung ab.
11. Häufige Fehler
- Mit der Spitzenleistung rechnen. 200 W heißt nicht 200 W × 10 Stunden Sonne.
- Den Wirkungsgrad vergessen. Ohne die 75 % wirkt das Modul um ein Drittel stärker.
- Mit Juni-Werten für den Herbst planen. Im Oktober liefert dasselbe Modul nur 32 % des Juni-Ertrags.
- Wechselrichter dauerhaft eingeschaltet lassen. Sein Leerlaufverbrauch kann über den Tag mehr kosten als das Licht.
Häufige Fragen
Reichen 200 W Solar für ein Wohnmobil? Für unseren Bedarf von 716 Wh nur im Hochsommer. Im Juni bleiben im Mittel 34 Wh übrig, im April fehlen 176 Wh pro Tag.
Wie viel Wh liefert ein 200-W-Modul am Tag? In Deutschland im Juni etwa 750 Wh, im September 420 Wh und im Dezember 75 Wh.
Wie viel Solarleistung brauche ich für 716 Wh? Bei 4 Sonnenstunden und 75 % Wirkungsgrad rund 239 W.
Wie lange hält die 100-Ah-Batterie ohne Sonne? Mit 1.152 Wh nutzbarer Energie etwa 1,6 Tage.
Reicht 200 W im Süden Europas? Im Sommer gut: Mit angenommenen 6,8 Sonnenstunden liefert das Modul rund 1.020 Wh und damit deutlich mehr als die 716 Wh Bedarf. Im Oktober wird es auch dort knapp.
Lohnt ein zweites 200-W-Modul? Ja, wenn Platz auf dem Dach ist. Mit 400 W liefert die Anlage im Mai rund 1.380 Wh und im September 840 Wh. Die Bilanz geht dann von Mitte April bis in den September auf, wenn das Wetter mitspielt. Der Laderegler muss dafür auf rund 33 A ausgelegt sein.
Welcher Laderegler passt zu 200 W? Ein MPPT-Regler mit 20 A bei 12-V-Batterie.
Zusammenfassung
| Punkt | Ergebnis |
|---|---|
| Tagesbedarf | ≈ 716 Wh (56 Ah) |
| Ertrag 200 W, Juni / Oktober | ≈ 750 Wh / 240 Wh |
| Bilanz Juni / April | +34 Wh / −176 Wh |
| Für ausgeglichene Bilanz (4 h) | ≈ 239 W |
| Batterie ohne Nachladung | ≈ 1,6 Tage |
| Laderegler | MPPT 20 A |
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Mit eigenen Werten rechnenSolar-Rechner für Wohnmobil und Boot→Quellen und Normen
- PVGIS – Gemeinsame Forschungsstelle der EU-Kommission (JRC) Einstrahlung auf horizontale Flächen nach Monat und Ort
- Deutscher Wetterdienst (DWD) – Klima und Umwelt jahreszeitlicher Verlauf der Globalstrahlung in Deutschland
- DIN VDE 0100-721 – Elektrische Anlagen von Caravans und Motorcaravans Anforderungen an die Bordelektrik
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